Killerspiele, der gefährliche Gamer und die Freiheit

22.November 2005 . Angels Sin

Wir halten fest, was man mit diesem Satz "Verbot von Killerspielen" eigentlich so alles in einen unendlichen Widerspruch bringt:

Gesetze sind dazu da den Menschen zu dienen, nicht umgekehrt - Die Bibel

Die freiheitliche Gesellschaft wird nur Bestand haben, wenn Freiheit und Verantwortung zusammengedacht werden. - Frau Maria Böhmer zu diesem Thema (Vorsitzende der Frauen Union der CDU)

Nun ja, Verantwortung geht eben auch von den Eltern aus (was Frau Böhmer ebenfalls angesprochen hat), nicht nur von Gesetzen, die alles verbieten, was in falsche Hände so natürlich nie gehören sollte. Aber der Bürger an sich, ist er schon Volljährig, sollte wohl selbst entscheiden dürfen, was er tut, was nicht. Dritten schaden sollte man im Sinne des gemeinsamen Zusammenlebens nicht, ist irgendwo klar. Aber wo ein Killerspiel jemandem schadet, bleibt wohl den meisten Spielern für immer ein Geheimnis. Aber die Möglichkeit besteht, dass alle Spieler bei Killerspielen irgendwann austicken, ja ne, ist klar.
Was darf man ab 18 noch so tun, bei dem man austicken "könnte" und damit Dritten schaden zufügen?
- Autofahren - alkoh. Getränke zu sich nehmen - Waffenbesitz (mit jeweiliger Genehmigung/Schützenverein) - zum Bund gehen - und so weiter...
Verbietet das alles, es kann im Sinne der deutschen Nation nur gegen die Bestimmungen des freiheitlichen und verantwortungsvollen Zusammenlebens sein, solche gefährlichen Dinge auszuüben!

Ach so, auch der BUI (Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware) hat sich zu diesem Thema nun offiziell geäußert und hat auch gewisse Bedenken gegen die Vorhaben der Politik und die schwammige Aussageform im Koalitionsvertrag.

Angesichts der durch den Koalitionsvertrag angestoßenen Diskussion über "ein Verbot von Killerspielen" möchte der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) folgende Sachverhalte zur Klärung von offenen Fragen beitragen.

Unsere im Bereich der Unterhaltungssoftware tätige Industrie ist der Auffassung, dass die seit dem 01.04.2003 geltenden Neuregelungen des Jugendschutzgesetzes sich in der Praxis bewährt haben und insbesondere das bestehende Alterskennzeichnungssystem für Computer- und Videospiele erfolgreichen Jugendschutz praktiziert. Durch die Installation eines ständigen Vertreters der Obersten Landesjugendbehörden bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist hier eine staatliche Aufsicht gegeben und die unabhängige Arbeit der USK garantiert.

Die Anbieter von Unterhaltungssoftware sind sich ihrer Verantwortung für den Jugendschutz bewusst. In der der Praxis wird bewiesen, dass man dieser Verantwortung auch gerecht wird. So werden die Spielkonsolen der neusten Generation technische Vorrichtungen besitzen, die eine Altersentsprechende Nutzung der Spielkonsolen ermöglicht. Spiele, welche nicht der eingestellten Altersfreigabe entsprechen, werden auf den Spielkonsolen der neusten Generation nicht mehr spielbar sein. Entsprechende Einstellungen sehen auch die kommenden Betriebssysteme für Computer vor, die damit auch für PC-Spiele einen praktikablen Jugendschutz ermöglichen. Diese Maßnahmen dokumentieren aus unserer Sicht auch die etablierte Zusammenarbeit zwischen den Obersten Landesjugendbehörden, USK und Industrie im Bereich des Jugendschutzes.

Ein effektiver Jugendschutz erfordert ein Tätigwerden auch an den Stellen, wo Computer- und Videospiele genutzt werden. Unser Ziel ist ein verantwortungsvoller Umgang mit diesem Medium. Deshalb führen wir bereits seit 2 Jahren im Rahmen der Leipziger Branchenmesse Games Convention einen intensiven Dialog mit Eltern und Kindern. Die Informationsmöglichkeit über Computer- und Videospiele stellt einen Kernbereich des Ausstellungsbereichs GC-family dar und bildet damit einen Messeschwerpunkt. So haben wir uns gemeinsam mit der Leipziger Messe erfolgreich dafür eingesetzt, dass die Games Convention als Fortbildungsveranstaltung für Lehrkörper in vielen Bundesländern anerkannt ist.

Die Formulierung eines "Verbotes von Killerspielen" im Koalitionsvertrag halten wir angesichts der vorstehenden Gegebenheiten für unglücklich. Diese Formulierung macht nicht deutlich, ob hiermit die in der Vergangenheit in die Kritik geratenen "Gotcha"-Spiele gemeint sind oder eben auch Computer- und Videospiele. Angesichts der bereits bestehenden gesetzlichen Regelungen zum Verbot von gewaltverherrlichenden oder menschenverachtenden Computer- und Videospielen ist die Forderung nach weiteren gesetzlichen Regelungen unverständlich. Gerne beteiligen wir uns an der angestoßenen Debatte und tragen unseren Teil zu sachgerechten Lösung bei.

Und hier die ganze E-Mail von Frau Maria Böhmer, die ebenfalls für Verbote ist... Die E-Mail wurde an einen Foren-User aus dem GameStar-Forum geschickt, der sich zu ihrem Interview im Radio geäußert hat.

Sehr geehrter Herr XXXXXX,

haben Sie vielen Dank für Ihre Reaktion auf mein Interview mit dem
Deutschlandradio. Ich habe darauf zahlreiche E-Mails bekommen, so dass
ich leider nicht auf alle Argumente und Fragen eingehen kann, sondern
nur auf einige zentrale Punkte.

In einigen Mails sind meine Äußerungen nicht richtig wiedergegeben
worden, deshalb verweise ich zunächst auf das vollständig Interview unter:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/439008/.

Ich habe bewusst und sehr pointiert das Prinzip der so genannten
Killerspiele benannt, auch um sie von anderen Computerspielen
abzugrenzen: "Zerstöre alles bis auf dich selbst." Dabei weiß ich sehr
wohl, dass man auch die Mitglieder des eigenen Teams besser nicht
,umbringt'. Ansonsten wird aber doch ständig von der ,Schußwaffe'
Gebrauch gemacht.

Mir geht es in erster Linie darum, dass wir den Jugendschutz in
Deutschland nicht als statisch begreifen, während die Entwicklung auf
dem Spiele-Markt sich äußerst dynamisch darstellt. Wir müssen immer
wieder überprüfen, ob die geltenden Bestimmungen in der gegenwärtigen
Situation noch angemessen sind.

Lassen Sie mich außerdem klarstellen, dass ich an keiner Stelle davon
gesprochen habe, dass aus Computer-Spielern Attentäter werden. Niemand
geht von einfachen Wirkungszusammenhängen aus. Das entspricht weder der
allgemeinen Erfahrung noch der Forschung. Falsch ist aber, wie mir
einige Spieler schrieben, dass diese Spiele überhaupt keine Wirkung
hätten. Wieso sind diese Spiele dann so weit verbreitet? "Spaß haben",
wie mir einige schrieben, kann man auf vielfältige Weise. Ich finde es
eher makaber, besonderen "Spaß" daran zu haben, virtuelle Gegner zu
erschießen und hyper-realistisch ihren Tod mit anzuschauen.

Gegen die These von der "Wirkungslosigkeit" spricht auch die neuere
Forschung. Sie hat erstens erbracht, dass bestimmte
Verhaltensdispositionen im Zuge von Gewaltspielen verstärkt werden
können, zweitens, dass es zu einem suchtartigen Verhalten kommen kann,
und drittens, dass jugendliche Dauer-Spieler häufig
Konzentrationsschwächen aufweisen. Für die Gesellschaft bedenklich,
wenngleich nicht verbotserheblich, ist außerdem die Tendenz, dass diese
Spiele, die fast ausschließlich von Jungen und Männern gespielt werden
und Gewaltbereitschaft als besonders "männlich" definieren, eine
Machokultur befördern.

Ich halte es für dringend geboten, dass der Staat in einem besonders
sensiblen Bereich unter bestimmten Umständen auch vom Mittel des
rechtlichen Verbots Gebrauch macht. Niemand ist so naiv, zu glauben,
dadurch sei das Problem erledigt. Ich weiß natürlich, dass Spiele
kopiert, aus dem Netz herunter geladen oder im Ausland gekauft werden.
Aber wir wollen und müssen Grenzen markieren, die beispielsweise auch
für Eltern einen Richtwert darstellen. Dabei müssen wir genaue Kriterien
für die Evaluation entwickeln und dürfen keine Pauschalurteile fällen.
Und natürlich müssen wir auch darüber hinaus tätig werden! Der Vorwurf,
die Politik wolle hier von anderen Problemen ablenken, trifft mich aber
nicht. Ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen haben in den
letzten Jahren die Vermittlung von Medienkompetenz vorangetrieben, die
Familien gestärkt und neue Konzepte für Ganztagsschulen entwickelt.

Die freiheitliche Gesellschaft wird nur Bestand haben, wenn Freiheit und
Verantwortung zusammengedacht werden. Dazu gehört, dass Eltern sich mit
ihren Kindern beschäftigen und diese nicht dem Medien- und Spielekonsum
überlassen. Dazu gehört auch, zu reflektieren, welche Art von Vergnügen
es ist, als virtuelle Ego-Shooter durch virtuelle Welten zu laufen.

Mit freundlichen Grüßen
Maria Böhmer

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