Wäre es nicht so traurig, man könnte glatt darüber lachen, wie einfach es sich der Phonoverband in Deutschland mit seinen Begründungen für schlechte Umsatzzahlen macht - geradezu naiv.
Als Grund für die sinkenden Umsätze nennt die Musikindustrie ausschließlich illegale Download-Angebote und verweist wieder einmal auf die zusammen mit der GfK erstellte Brennerstudie. Wäre die kopierte Musik gekauft worden, so die Musikindustrie, hätte sie einen Umsatzwert von rund 6,3 Milliarden Euro gehabt - ein Vielfaches der Gesamtumsätze der Branche.
Nun ja, liebe Musikbranche. Ihr habt halt etwas verschlafen, das nennt sich Internet. Anstatt sich dies einzugestehen und diesem Markt endlich genug und anständig Aufmerksamkeit zu schenken, wird alles immernoch nur halbherzig verfolgt. Die derzeit in Deutschland nutzbaren Muiskdownload-Portale sind alle durch die Bank nutzlos - auch iTunes. Denn das, was ihr eigentlich anstreben solltet, habt ihr schon lange vergessen, nämlich dem Kunden dienst tun. Na ja, daraus resultiert dann halt auch die schlechte Lage bei euch - Angebot und Nachfrage, ihr versteht?!
Vergessen sollte man außerdem eine Tatsache nicht: Was ihr hier einfach so in den Raum wirft, nämlich eine Zahl von 6,3 Milliarden Euro ist unhaltbar und unrealistisch - meiner Meinung nach. Denn viele tausend illegale Downloads lassen nicht darauf schließen, dass das Produkt bei einzig legal möglichem Erwerb wirklich zu einem Kauf werden würde... so ist das Leben nunmal.
Entsprechend unterstreicht der Verband somit seine Forderungen nach einer weiteren Verschärfung des Urheberrechts im Rahmen der anstehenden Novellierung.
Ganz großes Kino, jede Pressemitteilung wird also ab jetzt diese tollen "Features" von euch enthalten? Nun gut, ich darf also bald meine Musik nicht mehr auf einen Rohling bannen, damit ich diesen im Auto nutzen kann - die Sonne macht mir sonst meine Original-CD recht schnell unbenutzbar. Mp3-Player kann ich vergessen, sind allesamt nicht ausreichend DRM-fähig und überhaupt DRM... danke für diese tolle Erfindung. Na ja, so zwei bis drei mal auf den MP3-Player spielen, danach ist Sense mit dem aufspielen eines Songs. Tja, müssen wir uns vermutlich demnächst ganz viele portable Geräte kaufen, damit wir die Musik nicht mehr wechseln müssen, wäre ja Schade um die noch verbleibenden Credits.
Verbot von intelligenter Kopiersoftware aus Internetradioprogrammen
Nun gut, wo soll ich denn mein Gehirn zur Entsorgung anmelden? Bei euch? Dürft ihr ja auch gleich nach weiteren Daten durchforsten, die euch nützlich sein könnten. So von wegen andere schwarze Schafe, Marketingstrategien und so.
Lieber Phonoverband, vielleicht werdet ihr endlich eurer Macht gerecht und fordert das Verbot der Benutzung elektronischer, intelligenter Hilfsmittel, Personal Computer genannt? Alles Übel auf der Welt wäre auf einmal - zumindest für euch - kein Thema mehr. Ach so nein, geht ja nicht. Eure Musik kommt ja zu 99% aus dem Computer... hey, ihr kopiert ja auch ganz schön fleißig. Wie schauts denn damit aus, warum dürft ihr das machen, wir nicht? Stimmt, vermutlich einfach, weil ihr denkt, ihr seid ganz dolle mächtig. Soll ich euch einen Tipp geben? Der Kunde ist mächtiger, aber pssst; nicht weitersagen.
Jeder der die News auf golem.de oder heise.de liest, dem wird auch am Anfang der beiden Nachrichten etwas besonders stark ins Auge fallen - wenn er sich ein wenig mit Zahlen der Wirtschaft interessiert bzw. einfach die Ironie in den Zahlen der Phonoverbände findet.
Der Umsatz laut Verbandsstatistik fiel um 4,6 Prozent von 1,572 auf 1,500 Milliarden Euro. Deutlich geringer fällt der Rückgang des Gesamtumsatzes der Branche einschließlich der nicht an der Verbandsstatistik teilnehmenden Firmen mit minus 0,4 Prozent aus, von 1,753 auf 1,746 Milliarden Euro.
Auch hier ein kleiner Tipp, liebe Musikbranche. Denn ihr versteht scheints eure eigenen Zahlen nicht ganz. Ok, die Umsätze eurer Anhänger, der großen Plattenlabels, dieser mächtigen Globalplayers also, sind um grandios schlimme 4,6 Prozent gefallen... Gleichzeitig heißt es aber, dass der Gesamtumsatz bei Mitbeachtung der Zahlen von den nicht organisierten Firmen (Independent etc.) nur noch einen Verlust von 0,4 Prozent verbucht. Ein bisschen Pi-Mal-Daumen bringt uns also zur folgenschweren Schlussfolgerung, dass einfach nur bei euch etwas falsch läuft. Denn die Independent-Labels, die kleinen, die Nische also, kann ein sattes Umsatzplus aufweisen. Und dieses ist gewissermaßen mächtig, wenn es euren totalitären Verlust bei den Umstäzen von 4,6 auf mickrige 0,4 Prozent drücken kann.
Unterdessen schreibt Mario Sixtus in seinem Blog beim Handelsblatt auch ein paar sehr interessante Bemerkungen nieder und eine mögliche Schlagzeile, die so aber nie zum Einsatz kommen wird. Damit kann man doch niemanden schocken, würde sich alles nicht mehr so schlimm anhören, wie es die IFPI immer wieder vorheult:
Trotz Dieter Bohlen, DSDS und Dauerpräsenz im Privat-TV: Strategie der Industrie-Labels geht nicht auf. Independant-Firmen freuen sich über kräftiges Plus.
Ne, dann doch lieber das übliche ala "Deutscher Musikmarkt verliert weiterhin" oder "Illegale Downloads schaden weiterhin Musikmarkt". Da weiß man sofort, wer schon wieder schuld ist - der Kunde nämlich. Wenn es doch nur immer so einfach wäre, wie für die Jungs von der IFPI Deutschland.
Zusatz: Hier ein netter Beitrag im Heise-Forum zum Thema, wie sich die Sache mit der Umsatzsteigerung bei Nicht-IFPI-Mitgliedern mit Zahlen genau verhält.
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