Beeinflussung der Meinung eines Schreibers; Verbot von Kritik am Produkt; damit man etwas für lau bekommt etc. Nicht nur in der Blogosphäre gabs in diesen Punkten - besonders in letzter Zeit und im Umfeld der Opel-Blogger - immer wieder Diskussionen, wie sehr sich Blogger "verkaufen" würden, welch negatives Licht dies auf die unfehlbaren Blogger werfen würde und so weiter. Auch in den "alten" Medien, bei den Journalisten, zu denen ein Blogger ja nicht gehören darf - aber eigentlich auch gar nicht wirklich will - ist dieses Thema schon immer anwesend gewesen, und jede Möglichkeit, diese Diskussion für sich selbst auszunutzen wird natürlich aufgegriffen und groß angegangen. Diesmal hat es die ComputerBILD versucht - und mit Verlaub, gerade die haben wohl am wenigsten über andere herzuziehen.
Laut eines Berichts der Computerbild versucht Microsoft Computerzeitschriften zu beeinflussen, welche die Office 2007 Beta 2 auf Datenträgern ihren Lesern zur Verfügung stellen wollen. Den Schilderungen der Computerbild, denen zufolge sich der Softwarehersteller eine Mitsprache bei den redaktionellen Inhalten und eine Prüfung der Veröffentlichungen sichere, widersprach nun der Chefredakteur des renommierten Fachmagazins c't.
Nun kann man über die c't selbst inzwischen auch denken, was man will. Aber wem vertraut man eher? Lasse ich einfach mal euch überlassen.
Es sei ohnehin guter journalistischer Brauch, dem Betroffenen eine Gelegenheit einzuräumen, zu Kritik Stellung zu nehmen. Davon, dass Microsoft Formulierungen vorgegeben habe, könne überhaupt keine Rede sein, betont Persson, der damit der Computer-Bild-Ankündigung widerspricht. Im so genannten "Reviewer's Guide" gehe es lediglich um die korrekte Schreibweise der Wortmarke.
Also, man schlägt sich nicht nur in der Blogosphäre die Köpfe aufgrund scheinbarer Bloggerbeeinflussungen etc. ein. Nein, das ist auch bei den Journalisten Gang und Gebe, aber das war ja schon lange klar. Gibt halt überall schwarze Schafe, die für Geld und/oder etwas für Nada alles tun würden. Und wiederum andere, die aus etwas, was viel weniger schlimm klingt, wenn man es gänzlich offen legt, gerne mal einen dramatischen Skandal machen.
[via golem.de]
So liest sich ein Artikel bei golem.de zu diesem Thema, bevor die Stellungnahme von c't bekannt wurde. Dass die ComputerBILD das Ganze für einen Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit sieht, ist zwar keinesfalls falsch oder zu verurteilen. Aber nach der Lektüre der Stellungnahme und diesem Beitrag im lexlog sieht die Sache irgendwie schon ganz anders aus. Sorry ComputerBILD, ihr müsst euch dann wohl mal den nächsten Zeitpunkt suchen, euch als über-unabhängig anzupreisen.
Hier ist übrigens die Pressemitteilung der ComputerBILD zu dem Thema.
Die Stellungnahme von Christian Persson:
Untersagt Microsoft Euch Negativkritik zu Office 2007?
Die Frage kann ich ganz schlicht mit Nein beantworten.
Der Herausgabe dieser CD ist eine kritische Diskussion zwischen
Microsoft und etlichen deutschen Fachverlagen vorausgegangen. Ein
Anlass dieser Diskussion war die Tatsache, dass Microsoft bei der
Herausgabe des XP Service Pack 2 ein einzelnes Computermagazin
bevorzugt bedient hat. Es wurde dadurch in die Lage versetzt, die CD
früher als alle anderen beizulegen und so seine verkaufte Auflage
drastisch zu steigern.Microsoft hat sich aufgrund der Kritik der Verlage offenbar
veranlasst gesehen, für alle Computermagazine gleiche Bedingungen zu
schaffen und diese vertraglich zu regeln. Der aus den USA vorgegebene
Vertrag ist aus meiner Sicht juristischer Overkill, schränkt aber bei
vernünftiger Auslegung die journalistische Freiheit nicht ein. Es ist
ohnehin guter journalistischer Brauch, dem Betroffenen eine
Gelegenheit einzuräumen, zu Kritik Stellung zu nehmen. Davon, dass
Microsoft Formulierungen vorgegeben habe, kann überhaupt keine Rede
sein. Im so genannten "Reviewer's Guide" geht es lediglich um die
korrekte Schreibweise der Wortmarke.Um jedem Risiko einer unvernünftigen Auslegung vorzubeugen, hat c't
bis zur letzten Minute eine Doppelproduktion gefahren. Natürlich
wollten wir, da sich die Gelegenheit ergab, unserer Leserschaft die
Office-Beta zugänglich machen, geplant war aber für diese Ausgabe
eine CD mit anderem Inhalt. Dieser Inhalt und sämtliche dazugehörigen
Artikel wurden parallel produktionsreif gemacht, sodass wir die
Entscheidung jederzeit hätten revidieren können. De facto hat
Microsoft keinerlei Versuch unternommen, auf die Berichterstattung
Einfluss zu nehmen.Schöne Grüße
Christian Persson
c't