Die Mär von der nicht vorhandenen Zensur

11.September 2007 . Angels Sin

Ok, jetzt steppt hier langsam der Bär, im Internet. Oder besser gesagt in den Gefilden der Politiker über das Internet.

Der für Justiz und Sicherheit zuständige EU-Kommissar Franco Frattini will prüfen, wie mit technischen Mitteln verhindert werden kann, dass Menschen "gefährliche Worte" wie beispielsweise "Terrorismus" oder "Bombe" im Internet benutzen oder nach diesen suchen.

Die bösen Terroristen nutzen natürlich allesamt das Internet, also kann dieses auch nicht gut sein. Da man aber den Menschen allgemein das Internet nicht wegnehmen möchte - ein zu sehr aufgebrachter Mob ist schlimmer als tausend Terroristen auf einem Haufen - also wird das Internet halt eingeschränkt. Und die Einschränkung soll dann sogar der Meinungsfreiheit Einschränkung nicht sein. Da wird man ganz perplex. Die Politiker haben etwas gefunden, was uns irgendwie sogar in hundert Jahren nicht gelingen würde...

Die Meinungsfreiheit sieht Frattini dadurch nicht beeinträchtigt, denn Anleitungen zum Bombenbau hätten mit Meinungsfreiheit nichts zu tun, so Frattini im Telefoninterview mit Reuters.
(Quelle: golem.de)

Nun ja, wenn man die Meinungsfreiheit einfach mal eben umdefiniert, funktioniert das natürlich schon. Macht man in der Informatik auch, sprich im entfernteren Sinn besteht das Internet nur aus Definitionen...

Mal im ernst, dass das Recht auf Leben höher als alles andere sein sollte ist wohl schon klar, aber wenn man sich mit solchen Maßnahmen geschlagen geben muss, kann etwas nicht funktioniert haben. Aber da ist Mr. EU-Komissar nicht alleine, haben wir in Deutschland auch schon von genug Politikern gesehen. Einfach die einfachste Möglichkeit, die dem Bürger zwar alles mögliche an Rechten abnimmt - kann man ja im Nachhinein so verkaufen, dass die meisten es sowieso nicht mitbekommen.

Bin ja gespannt, wie man das realisieren will mit den bösen Wörtern - immerhin sollte die Recherche nicht behindert werden, nur dazu muss man auch suchen können, nach was gerade gesucht werden muss - Terrorismus lässt sich halt schwer für eine treffende Suche umschreiben.
Nun ja, für die Umsetzung muss sich natürlich dann jedes Land selbst Gedanken machen. Die Welt funktioniert so überraschend simpel in Europa. Überhaupt ihr Kracher da oben - welcher Terrorist sucht bitte im Klartext nach "Anleitung zum Bombenbau"? Sagt mal, hält ihr die für total bekloppt? Die sind doch in der Hinsicht viel versierter als ihr, denkt mal drüber nach...

Merkt ja auch keiner, dass Verbote allgemein bisher nie das Problem an sich gelöst haben - am Problem herumdoktern ist sowieso das schlimmste. Man denkt, es wäre alles in Ordnung und zack, wird auf nichts mehr geachtet. Und wenn wir sowieso schon an Verboten und der ZENSUR (denn nichts anderes das ist) von Wörtern im Internet sind, macht doch gleich mit kritischen Wörtern in Richtung Staat etc. weiter. Denn das sind im Grunde ja auch nur Terroristen - in Gedanken quasi. Aber immer schön darauf behaaren: "Eine Zensur findet nicht statt". Das glaubt euch nämlich auch in 10 Jahren noch jeder (hofft ihr zumindest sicher).

ABER vielleicht hat es ja auch Mr. EU-Komissar vollkommen anders gemeint, es wurde nur alles falsch verstanden. Tut man bei Politikern besonders gerne - woran das liegt, darüber wollen wir uns heute mal nicht auslassen :)

PS. Wenn ihr es euch so einfach machen wollt, dann schafft halt endlich diese gottverfluchte Meinungsfreiheit ab - dann wissen alle was Sache ist und die Auswanderungsrate wird zwar nach oben schnellen, ihr werdet aber auch keine Kritiker mehr in der näheren Umgebung auffinden. Die sind dann nämlich weg! Also entweder Klartext oder haltet euch an die ganzen beschissenen Grundsätze in Europa/Deutschland/whatever!

tags :: internetnervigrechtschwachsinnterrorismuszensur

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