Die Musikindustrie stirbt nicht
- muss sie auch nicht

26.Januar 2008 . Angels Sin

Manchmal kommt die Musikindustrie halt nicht durch mit ihrer Praxis von Abmahnen und Anwälte abkassieren lassen plus zugehöriger Unterlassungserklärung. So oder so ähnlich...

Der Inhaber des Internetanschlusses kann nach Ansicht des Gerichts ohne weitere Ermittlungen für über diesen Anschluss begangene Urheberrechtsverletzungen nicht verantwortlich gemacht werden. Dies ist nach Ansicht des Gerichts Willkür. Die Weitergabe von Daten durch die Staatsanwaltschaft, die den Anschlussinhaber aufgrund seiner IP-Adresse identifiziert hat, wurde darüber hinaus als rechtswidrig bezeichnet. (gulli.com)

Es ist immer wieder bedrückend, wie erschreckend unflexibel in der "Neuzeit" die Musikindustrie agiert. Ein Verein von scheinbar ewig gestrigen, der immer noch alleiniger Herr über Platten und Verkäufe sein will - aber langsam immer mehr den Boden unter den Füßen verliert. Und das irgendwo zu Recht, denn wer sich neuen Techniken so lange verwehrt, muss halt erstmal in den Arsch getreten werden, damit da was kapiert wird.
Die Musikindustrie an sich wird sicher wieder Fuß fassen, denn gebraucht wird sie auch weiterhin - aber in einer anderen Form als bisher. Dass sie es sich selbst dabei so schwer macht mit der Neuausrichtung ist irgendwo schade. Und auch sehr schade, dass sich hier große Unternehmen aufführen wie kleine Kinder die keine Ahnung haben, wie sie ihr "geklautes" Spielzeug zu verteidigen haben außer mit Petzen und dann mit den Großen im Rücken die Keule zu schwingen. Das muss doch nicht sein?

Auch wenn viele (mich eingeschlossen) immer wieder über die Musikindustrie zetern, so ist es nicht die Idee dahinter die stört - Künstlern soll auch weiterhin geholfen werden und unter die Arme gegriffen werden. Es ist die Art der Musikindustrie beziehungsweise deren derzeitigen "Geschäftsführern" und Verantwortlichen, die einfach den meisten auf den Sack geht. Verallgemeinernd, aber so sind wir Bürger halt :p
Übrigens hat zu diesem Thema Johnny vor nicht allzu langer Zeit einen sehr tollen Beitrag geschrieben. Denn die Musikindustrie besteht aus viel mehr als geldgierigen und ewig gestrigen. Auch ist es nicht nur die MI, die dem ganzen Spuck so negative Ausläufe verschafft. Die internationale (sowie aber auch nationale) Politik liefert hier auch einen sehr guten Beitrag ab - trotz und vor allem wegen der immer wieder zugelassenen Einmischung der Lobby aus MI-Kreisen.

Zum Glück wird derzeit immer mehr "Großen" bewusst, dass zum Beispiel DRM ein wirklicher Fehlgriff war und man nicht die Kunden als "von Anfang an kriminell" darstellen sollte sondern sich den geänderten Verhaltensweisen (MP3-Player, Internet-Radio, Musik on demand etc.) der Menschen anpassen sollte. Wobei gut, man stellt die Kunden immer noch als von Anfang an kriminell dar. Aber das tut der Staat ja jetzt auch.
Reden müssen wir aber auch noch über die GEMA... doch das tun wir ein anderes mal. Auch eine Sache, die durchaus ihre Berechtigung hat - aber nicht als dieser konservative und ziemlich greise Verein, den die GEMA derzeit darzustellen versucht. Danke nein, wir haben schon beerdigt.
Und ein paar anderen Themen müssen natürlich auch noch besprochen werden, denn die MI hat sich in genug Ecken ziemlich miese Reputationen eingehandelt...

Das Urheberrecht ist in seiner jetzigen und gewünschten Form nicht mehr Gesellschaftsfähig. Und daran wird die Lobby nichts ändern - außer sie lässt wirklich alle Menschen der Welt irgendwann einsperren oder diese haben von sich aus keinen Bock mehr auf die MI. Aber das wäre keine gute Grundlage für weitere Geschäfte, nicht wahr?!

Hilfreich bei dem ganzen Bohei sind dann solche Meldungen keineswegs:

Plattenfirmen wollen 2008 zum Jahr der Internet-Kontrolle machen: Provider sollen den Datenverkehr ihrer Kunden überwachen, die Übertragung von Musikdateien blockieren und Web-Seiten sperren. Diese Ideen streuen Lobbyisten in EU-Ausschüssen - mit ersten Erfolgen. (Spiegel Online)

Dass eine Filterung einfach nicht das Wahre ist - schon allein deswegen, weil wir mit der Zensur in Deutschland eigentlich ja nix am Hut haben sollten (was nicht heißt, dass es nicht doch geschieht, wäre ja noch schöner) - sollte den meisten schon allein durch die Tatsache klar werden, dass ein Automatismus immer auch Dinge trifft, die gar nicht betroffen sein sollten. Und natürlich, wo jetzt schon Schranken in der weiteren Entwicklung unserer Gesellschaft bestehen - die sich ja im ständigen Fortschritt befindet (sonst wären wir heute noch in der Steinzeit) - sollen noch weitere, viel höhere und vor allem schärfe Barrieren dazukommen. Nur, damit die Leute das Geld weiterhin in den Massen verdienen, in denen sie es auch auszugeben gelernt haben. Und zwar teilweise die falschen Leute.

... und am Ende dieses Rundumschlags gegen die MI ein weiterer kleiner Hoffnungsschimmer - aber auch nur ein kleiner, denn es ist weiterhin heiß mit der ISP-bezogenen Bekämpfung der bösen Piraten.

Ende vergangener Woche hatte die Electronic Frontier Foundation davor gewarnt, dass die Musikindustrie einen weiteren Vorstoß unternommen hat, um das Urheberrecht zu ihren Gunsten umschreiben zu lassen. Neben einer Verlängerung der Schutzfristen für Musikaufnahmen wollte die Musikindustrie die Internetprovider zur Zwangskooperation verpflichten lassen. Geplant war nach französischem Vorbild, dass in Zukunft die Internetprovider ihre Kunden überwachen sollten. Bei wiederholten Urheberrechtsverstößen sollten die Provider den Kunden den Internetzugang komplett sperren. (golem.de)

Doch dies wurde vom Kulturausschuss des EU-Parlaments abgelehnt. Muss jetzt aber noch das ganze EU-Parlament dem Folgen. Und das ist nicht unbedingt sicher... So wie heutzutage schon gar nichts mehr sicher ist in einer Zeit, in der veraltete Gesetze und Richtlinien überall Grauzonen öffnen, die manchmal von Menschen betreten werden ohne es wahrzunehmen. Und wo Gerichte immer öfter eingeschaltet werden, weil gar nicht mehr genau gesagt werden kann, was nach Gesetz erlaubt ist oder eben nicht. So lange überall dort, wo die Entscheidungen getroffen werden - in Unternehmen gleichermaßen wie bei Regierungen - Menschen sitzen, die der neuen Technik eher als Teufelswerk entgegensitzen und möglicherweise einfach nur stockkonservativ sind... wird sich daran auch nichts ändern. An allem, was hier geschrieben wurde...

Denn es dreht sich wie im Kreis - mit dem Urheberrecht, mit den Piraten, mit den bösen digitalen Kopien, den bösen... eigentlich ist alles böse, was nicht bei drei mindestens ein halbes Vermögen für Scheiße bezahlt hat. Teufelskreis - sagst du hier hü, ist es dort schon wieder hopp:

Weitere Maßnahmen zum Schutz des geistigen Eigentums hält der Ausschuss für internationalen Handel beim EU-Parlament für angebracht. Im einer Stellungnahme (PDF-Datei) zur "europäischen Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung" wird vor "bislang nicht gekannten Bedrohungen" durch "Open-Source-gestützte Internetportale und –dienstleistungen" gewarnt. Die damit einhergehende Verletzung "geistiger Eigentumsrechte", "Produktpiraterie" und "unerlaubte Digitalisierung" müsse aufmerksam beobachtet werden. Die Kulturagenda hatte sich demgegenüber auf eine stärkere Einbettung von Kulturpolitik, und -förderung in die Außenbeziehungen der EU konzentriert. (heise.de)

Ach, und hey Leute. Sowas braucht ihr bitte auch nie wieder bringen...

Ihr seid Arschlöcher, ganz ehrlich.

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