AT: 神無月の巫女
Genres: Yuri. Drama. Romance. Fantasy. Mecha. Mahō Shōjo.
Produktionsjahr: 2004
Episoden: 12 (TV)


Hoch oben, auf dem Mond, gibt es einen verlassenen Schrein, von dem Niemand weiß. In einem abgelegenen Dorf namens Mahoroba scheint die Zeit still zu stehen. Ein Ort, an dem gute und schlechte Dinge miteinander zu einem tragischen Schicksal verwebt werden, welches dazu verdammt scheint, sich ewig zu wiederholen. Ist es zu bezwingen?
Himeko Kurusegawa [Noriko Shitaya] lebt hier und besucht wie alle anderen Kinder aus Mahoroba die Ototachibana Gakuen. Jeder an dieser Schule kennt auch Chikane Himemiya [Ayako Kawasumi]. Chikane stammt aus einer noblen Familie, ist in allem die Klassenbeste und wird von den anderen Schülern mehr als nur akzeptiert, sie wird geradezu angehimmelt. Täglich bekommt Chikane Liebesbriefe von Männern UND Frauen, täglich lehnt sie jeden ihrer Umwerber ab. Sie scheint in einer anderen Welt zu leben, unerreichbar für ihre Mitmenschen. Himeko ist da ganz anders. Sie wirkt zerbrechlich, ist ständig total unsicher und hat bis auf Makoto [Ikue Ohtani] auch keine wirklichen Freunde. In der Schule fällt sie kaum auf und wenn, wird sie eher geärgert und von den Snobs runtergeputzt. Zwischen der populären Chikane und der unauffälligen Himeko liegen Welten. Es ist also ein kleines Wunder, als Himeko eines Tages von Chikane mit Namen angesprochen wird. Chikane scheint im Geheimen Gefühle für Himeko zu hegen. Kurz darauf treffen sich Beide deswegen im verbotenen Rosengarten der Schule. Sie verstehen sich ausgezeichnet und stellen fest, dass sie am gleichen Tag Geburtstag haben und noch im selben Moment verabredet man sich deswegen zu einem ganz privaten Geburtstagstreffen. Doch am Morgen des ersehnten Tages scheint die gesamte Welt in Dunkelheit gehüllt. Der Himmel ist finster, etwas Bedrohliches liegt in der Luft. Chikane und Himekos 16. Geburtstag sollte der Beginn einer unsterblichen Liebe werden, doch nun ist es der Beginn eines unausweichlichen Alptraums.

Was als elegante Yuri-Romanze beginnt, offenbart sich mit Ende der ersten Folge als kruder Mecha-Fantasy-Drama Mix, der sich mal wieder alter japanischer Mythen und Sagen bedient. Am Geburtstag der Beiden taucht nämlich ein achtköpfiges Monster namens Orochi auf, bzw. seine acht menschlichen Manifestationen. Mit Hilfe meist absurder Mechas wollen die Diener Orochis ihre apokalyptische Zukunftsvison umsetzen, Chikane und Himeko müssen sich ihnen - wie sie kurz später erfahren - als Reinkarnation zweier Priesterinnen in den Weg stellen. Problematisch, da sich auch in Himekos Kindheitsfreund Souma [Junji Majima] Orochis Willen manifestiert hat. Der ist insgeheim in Himeko verliebt, macht also Chikane Konkurrenz und will seine Geliebte natürlich um jeden Preis beschützen, doch dafür muss er natürlich ersteinmal den Willen Orochis in sich besiegen. Kein leichtes Unterfangen.
Kannazuki No Miko ist so eine Sache. Der erste Eindruck ist so la-la. Die drei Hauptcharaktere sind beispielsweise schonmal ziemliche Stereotypen. Ganz schlimm ist Souma, der die ganze Serie lang den männlichen Beschützer ohne wirkliche Persönlichkeit mimen muss. Auch Himeko ist eigentlich nur ein typischer Moe Charakter, total abhängig von ihrem Umfeld, außerdem super unschuldig und sensibel, damit der Beschützerinstinkt beim Zuschauer auch schnellstmöglichst geweckt wird. Niedlich ist sie ja schon und damit bereits um einiges sympathischer als Souma, aber von wirklicher Originalität ist auch bei Himeko kaum was zu spüren. Chikane macht anfangs einen ähnlichen Eindruck. Ihre dominante und selbstsichere Art macht sie zum perfekten Kandidaten für eine ausgeglichene Beziehung mit Himeko und mal abgesehen von ihrem unmenschlichen Talent, alles was sie anpackt gelingen zu lassen, ist das auch schon alles, was ihre Person ausmacht. Glücklicherweise stellt sich bei Chikane eine gewisse Ambivalenz während des Storyverlaufs ein und durch die immer intimer werdende Beziehung zwischen Souma und Himeko sogar Eifersucht. Dank dieser Entwicklung wartet nach der ersten Hälfte auch eine schockierende und ziemlich überraschende Wendung auf den Zuschauer, so dass sich Chikanes Charakter letztendlich doch noch als äußerst interessanter Charakter offenbart. Gegen Ende schaffen es dann sogar beide Hauptcharaktere eine einigermaßen überzeugende Performance und Entwicklung abzugeben, nur Souma bleibt einfach nur Souma, das fünfte Rad am Wagen, ich will meinen, eine tragische Rolle für den einzigen Mann des gesamten Plots.

Wirklich schlimm ist aber die Art, wie diese ganzen Mecha- und Fantasyelemente da reingequetscht werden. Mal ganz abgesehen davon, dass die Roboterkämpfe sowieso nicht allzu spektakulär sind, wirkt das im Zusammenspiel mit der zur Melodramatik tendierenden Ernsthaftigkeit der Story ziemlich dahingeklatscht. Was hat man sich dabei gedacht? Packen wir noch ein paar Roboter in die Story, damit auch die Jungs einschalten?! Schmeckt mir garnicht, wirkt besonders anfangs total unpassend und fast schon willkürlich. Gut gelungen ist dagegen die Darstellung von Chikane und Himekos Beziehung. Auch wenn viele Szenen sich dabei in einer überzogenen Melodramatik suhlen, kann Kannazuki no Miko auf der Ebene des homoerotischen Beziehungsdrama voll und ganz überzeugen, so dämlich das auch klingen mag. Ein sentimentales, tränenreiches und ziemlich bitteres Ende setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Letztendlich schafft es die Serie so auch über ihr eigentlich total bescheuertes Grundkonzept hinwegzutäuschen und ich persönlich nehm ein wenig sinnfreie Mecha-Action gern in Kauf, wenn ich dafür ein einfühlsames Beziehungsdrama zwischen zwei grazilen Frauen miterleben darf, erotische Eleganz inklusive.
Wir fassen zusammen. Kannazuki no Miko ist inhaltlich Münz-ähnlich, soll heißen zweiseitig. Auf der einen Seite kriegen wir eine romantische Liebesgeschichte serviert, die das volle Programm an emotionalen Hoch- und Tiefflügen abfährt. Funktioniert! Auf der anderen Seite gehts mal wieder um die Rettung der Welt, allerhand Fantasygequatsche und Mechagekämpfe. Funktioniert nicht! Im Prinzip sind hier also zwei tolle Charaktere (das ich Himeko ein Defizit an Originalität vorwerfe, macht sie ja nicht unbedingt weniger liebenswert) in einer mehr oder weniger total verkrampften und dämlichen Rahmenhandlung gefangen. Es macht Spaß den Beiden zuzusehen, aber das Drumherum nervt größtenteils. Schade! Ebenfalls schade ist, dass recht gute Nebencharaktere wie z.B. Makoto eigentlich verschenkt werden und nach der ersten Episode halt kaum noch vorkommen. So bleibt es bei Kannazuki no Miko bei einem nur leicht überdurschnittlichen Produkt mit guten Ansätzen. Durchaus sehenswert, aber hinterher nicht erwarten, die Welt plötzlich mit anderen Augen sehen zu können.

Opening ("Re-Sublimity") und Ending Theme ("Agony") sind beide von Kotoko und erinnern mit ihren elektronischen Beats an gute alte Eurobeat Zeiten. Macht Stimmung, gefällt! Auch der größtenteils klassische Soundtrack geht in Ordnung. An den Animationen kann man ebenfalls nichts aussetzen, ist aber bei einer Serie von nur zwölf Folgen auch zu erwarten. Das Ganze basiert übrigens auf einem Manga von Kaishaku, ein Zwei-Mann-Team bestehend aus Hitoshi Ota und Terumasa Shichinohe. Das Manga soll angeblich konsequenter sein, im Vergleich dazu soll der Anime sogar eher - ich zitiere - "zensiert" wirken. Klingt vielversprechend, ich riskiere vielleicht mal einen Blick. Was DVD-Veröffentlichungen angeht, so weiß ich nur von dem Geneon US-Release. Eine deutsche Veröffentlichung scheint nicht in Aussicht zu stehen.









Dieser Eintrag wurde am 03.12.2007 um 21:10:21 erstellt und befindet sich in Anime, drama, mahō shōjo, mecha, fantasy, romance, yuri.
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Aber nachholen will ich den Anime schon, die Charaktere haben mir sehr zugesprochen irgendwie