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Claes ~ Anime Kritiken und Reviews ~

Cowboy Bebop Permalink

AT: カウボーイビバップ
Genres: Science-Fiction. Action. Drama. Comedy.
Produktionsjahr: 1998
Episoden: 26 (TV)

In garnicht allzuferner Zukunft sind Planeten und Sonnensysteme mit Hilfe interstellarer 'Gates' verknüpft. Im Klartext: Durch Hyperraumreisen hat sich die Menschheit bis zum Rande des Universums vorgekämpft und so ziemlich alles bevölkert, was es zu bevölkern gab oder auch nicht gab. War auch nötig, denn unser Heimatplanet die Erde wurde dank eines apokalyptischen Unglücks so gut wie zerstört, übrig sind nur noch Ruinen. Klar, dass sich mit den Menschen auch die Kriminalität im All breitgemacht hat. Polizisten, egal von welchem Planeten, sind meist überfordert und oft müssen sogenannte Kopfgeldjäger die eigentliche Drecksarbeit machen. Dafür gibts dann aber auch ein ordentliches Kopfgeld, also Kohle halt! Spike Spiegel [Kouichi Yamadera] und der eigentlich einarmige Jet Black [Unshou Ishizuka] sind solche Kopfgeldjäger, allerdings meist ohne Kohle, denn das Glück haben sie nicht gerade gepachtet. Bei den meisten Aufträgen gibt der Kriminelle nämlich schon vor der Festnahme den Löffel ab oder entwischt ganz einfach. Die Situation bessert sich auch nicht, als sich -mehr oder weniger ungebeten- die Trickbetrügerin Faye Valentine [Megumi Hayashibara] dem Troupé anschließt. Wenig später wird aus dem Trio mit Hacker Edward [Aoi Tada] schließlich noch ein Quartett. Ganovenjagend reisen die verrückten Vier durchs Universum, um sich ihr Mittagessen zu verdienen.

Mecha

Cowboy Bebop ist ein richtiger Multikulti-Mix. Es zeigt eine mehr oder weniger realistische Vorstellung der Zukunft, in der Religionen, Kulturkreise und Nationalitäten zu einem interplanetaren, urbanen Brei zusammengerührt wurden. Dies spiegelt sich nicht nur optisch im unterschiedlichen Aussehen der Städte, Planeten und Menschen wieder, sondern auch musikalisch mit Hilfe eines sehr exotischen Soundtracks von Yoko Kanno. Da wird französisch, englisch, japanisch und sonstwas gesungen, da wird gejazzt und gerockt. Der Soundtrack ist richtig abwechslungsreicher, progressiver Shit und vielleicht aufwändiger als die ganze Serie. Unabhängig davon, ist die aber auch nicht zu verachten. Zuersteinmal entsprechen die Charaktere kaum den typischen Stereotypen, sehr lobenswert! Spike ist beispielsweise ein arschcooler Antiheld. Ehemals Mitglied in einem kriminellen Syndikat und einer unglücklichen Liebe hinterhertrauernd, entscheidet er sich für die Rolle des teilnahmslosen Kopfgeldjäger. Sein verträumtes Desinteresse, seine Gleichgültigkeit, das alles könnte als lockere Lebenseinstellung fehlinterpretiert werden, doch in Wirklichkeit ist er ein Mensch voller Tragik, ein Kettenraucher der seine wahren Gefühle weit weggeschlossen hat. Ein absolut kultiger, cooler und einzigartiger Hauptcharakter. Mit Faye steht es ähnlich. Sie gibt sich gern als Frau, die alles alleine schafft, selbst wenn es durch Korruption, Lug oder Trug passiert. Sie spielt gern die Selbstbewusste, lässt Niemanden an sich ran und schert sich auch nicht, ihren besten Freund zu verkaufen. Doch das ist alles nur Fassade, in Wirklichkeit wurde sie ihr Leben lang betrogen, ihre Sichtweise der Welt ist finster und verkommen und im Prinzip tut sie anderen nur das an, was man ihr angetan hat. Dabei sehnt sie sich in Wirklichkeit nach menschlicher Nähe. Doch Faye kann nicht anders, sie ist eine traurige, fast schon bemitleidenswerte Persönlichkeit, gleichzeitig aber verdammt sexy. Auch sie ist Kettenraucherin. Jet Black ist dagegen von einem ganz anderen Kaliber. Der ehemalige Polizist ist Kopfgeldjäger geworden, weil ihm die Korruption der ISSP (Inter Solar System Police) auf den Sack ging. Im Gegensatz zu Faye und Spike ist er nicht verbittert oder emotional kaputt. Er sorgt sich sogar richtig um seine Crewmitglieder, nimmt manchmal fast sowas wie eine Mutterrolle ein. Jet ist sympathisch, ein ganzer Kerl halt. Die letzte im Bunde, Ed, ist das genaue Gegenteil vom Rest. Ein kindgebliebenes Kind, verspielt, verträumt, unbefangen, leicht glücklich zu machen, ein bißchen verrückt vielleicht, aber durch und durch liebenswert und lastfrei. Ed ist im Gegensatz zu den Anderen die Unschuld in Person und gleichzeitig überaus intelligent. Sie ist sowieso Kult pur.

Mecha

Doch nicht nur die Charaktere sind großartig, auch der Plot selbst macht Spaß & Sinn. Vorallem, weil die zu fassenden Verbrecher oft einfach nur Menschen mit dem Wunsch nach einem guten, besseren oder einfach akzeptableren Leben sind, das sie innerhalb gesetzlicher Grenzen aus den verschiedensten und nachvollziehbarsten Gründen nicht führen konnten. Spike, der Antiheld, der eigentlich nur seine eigene verbrecherische Vergangenheit vergessen will, jagt diese ganz normalen Menschen und ihr letztes Fünkchen Hoffnung auf Erlösung. Die Grenze zwischen Gut & Böse verschwimmt somit oder existiert vielmehr garnicht. Gesetze und das wahre Leben vertragen sich nicht, ein kriminelles Leben sagt nichts über die wirkliche Gesinnung eines Menschen aus. Hintergründig entpuppt sich Cowboy Bebop somit als traurige Geschichte über Menschen, die lieben und überleben wollen, dabei aber immer wieder scheitern und letztendlich den Tod finden müssen. Groteskerweise durch Menschen, die genau dasselbe versuchen und das alles nur aufgrund igendwelcher Gesetzbücher, die sich nicht immer aufs Leben anwenden lassen. In Cowboy Bebop ist das Leben ein jazziger Blues, eine Aneinanderreihung von komischer Tragik, eine Geschichte, tausende Geschichten, die aber allesamt gleich enden.

Cowboy Bebop

Aber diese ganzen Tragödien spielen sich eher hintergründig ab, meistens gibt es mehr was zu lachen. In der Mushroom Samba Episode muss sich die Crew beispielsweise mit einem halluzinogenen Pilztrip auseinandersetzen, während Ed auf eigene Faust einen illegalen Drogendealer verfolgt. Die Folge hat übrigens ein unglaublich kultiges Finale. Auch sonst darf viel gelacht werden, über groteske Situationskomik, über absurde Nebencharaktere und dämliche Dialoge. Und aufgrund unzähliger Anspielung auf berühmte Werke und Berühmtheiten darf auch gestaunt werden. Spike kämpft wie Bruce Lee und sieht ein bißchen aus wie Bob Dylan, Bösewicht Abdul Hakim aus der Stray Dog Strut Episode schaut aus wie Kareem Abdul-Jabbar aus dem Bruce Lee Film Game of Death und die Toys in the Attic Folge ist von vorne bis hinten 'ne gelungene Parodie auf Alien. Und natürlich werden die 26 Folgen lang auch nicht nur Verbrecher gejagt. Spike wird von seiner Vergangenheit eingeholt, Faye entdeckt ihre Vergangenheit und Jet beendet seine. Und sentimental wirds auch noch. Richtige Emotionen gehen durch die Coolness der Serie zwar meist unter, doch wenn sie hervorbrechen, dann zumindest richtig, wie z.B. in der Speak Like a Child Episode,- also ich hätte am Ende beinahe geheult.

Fazit also: Cowboy Bebop ist eine Serie, die man gleich aus einer Vielzahl von Gründen nicht verpassen sollte. Obwohl das Gesamtwerk letztendlich nicht perfekt ist (es gibt ein paar sehr subjektive Mankos hier und da), verdient die Serie trotzdem die Höchstbewertung, denn so innovativ, originell und vorallem abwechslungsreich ist eigentlich kaum ein Anime. Außerdem sind die Animationen super, die Seiyu geben Hochstleistungen ab und es wird nie langweilig. Und der Soundtrack ist einfach nur großartig. Deutsche DVDs (insgesamt sechs Stück) gibt es von Dynamic Visions. Die TV-Serie zog zwei Manga (Cowboy Bebop und Cowboy Bebop Shooting Star) und einen Kinofilm nach sich. Auf Letzteres geh ich ein andermal noch genauer ein.

Cowboy Bebop

Cowboy Bebop

Spike und Jet Black

Mecha

Mecha

Mecha

Cowboy Bebop

Mecha


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Kommentare, Trackbacks

Angels Sin [Mitglied] Email · http://kenmai.de
Angels Sin [Mitglied]
Die Review gefällt mir, die Serie gefällt mir auch (eine von den wenigen, die ich wirklich mal geschaut habe XD ). Auf jeden Fall mehr als nur ein müdes "gut" für die Serie, finde ich ;D
PermalinkPermalink 28.02.08 @ 21:41
yuki [Mitglied] Email · http://nikki.kenmai.de/claes.php
yuki [Mitglied]
Exactly, deswegen gabs auch die volle Sternzahl :D...Review könnte meiner Meinung nach runder sein, stand aber unter Zeitdruck, da ich mein 2-reviews-pro-monat versprechen einhalten wollte. Und morgen hätt ich keine Zeit mehr gehabt...Bilder hätt ich auch gern noch ein paar andere...ein Gruppenbild z.B...och najo...
PermalinkPermalink 28.02.08 @ 21:54
Angels Sin [Mitglied] Email · http://kenmai.de
Angels Sin [Mitglied]
Ach, ich find sie gut =)
Aber ich kenne dieses Gefühl, wenn man etwas schreibt, es aber eigentlich gar nicht so toll findet - nur nicht vergessen, man ist mit sich selbst meist sehr selbstkritisch :>>
PermalinkPermalink 28.02.08 @ 21:59
yuki [Mitglied] Email · http://nikki.kenmai.de/claes.php
yuki [Mitglied]
Joa, ein paar sind auch gut, aber nicht alle -_-...und klar, ich weiß, dass ich bei meinen eigenen Sachen immer extrem pingelig bin und die soo schlecht vielleicht garnicht sind :D
PermalinkPermalink 28.02.08 @ 22:21

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