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Claes ~ Anime Kritiken und Reviews ~

Serial Experiments Lain Permalink

AT: シリアルエクスペリメンツレイン
Genres: Drama. Science-Fiction. Mystery. Horror.
Produktionsjahr: 1998
Episoden: 13 (TV)

Lain Iwakura [Kaori Shimizu] ist ein äußerst zurückhaltendes und unauffälliges Mädchen. In der Schule hat Lain keine Freunde, ihre Lehrerin ist kalt und der Unterricht schwerfällig. Ihr Vater Yasu [Ryunosuke Ohbayashi] interessiert sich nur für Computer und das Wired, eine Art fortgeschrittenes Internet. Lains Mutter [Rei Igarashi] redet kaum und verhält sich ihrer Tochter gegenüber absolut gleichgültig. Auch Lains Schwester Mika [Ayako Kawasumi] scheint sich weder für Lain, noch für den Rest der Familie zu interessieren; Sie ist kaum präsent. Bei den Iwakuras wird nur selten gesprochen, die Atmosphäre ist unterkühlt, befremdlich. Lain ist ein Kind von Einsamkeit. Da beginnt Lain plötzlich Stimmen zu hören und Visionen zu sehen. Menschen werden zu Schattengestalten, Flure und Schulhöfe vernebeln, geisterhafte Lichtwesen erscheinen. Was passiert mit Lain?

Serial Experiments Lain

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Chisa Yomoda [Kotomi Muto] springt vom Dach eines Hochhauses. Selbstmord. An der Schule war sie eine Außenseiterin und sprach kaum mit Jemanden, doch jetzt bekommen ehemalige Mitschüler plötzlich E-Mails von der angeblichen Toten. Auch Lain erhält eine Mail, dessen Inhalt reichlich merkwürdig ist. Lains Mitschüler halten die Botschaften für einen schlechten Scherz, doch sie selbst nimmt die Sache ernster. Von einer unbestimmten Neugier getrieben, taucht Lain in die Welt des Wired ein, um nach Chisa und den anderen Merkwürdigkeiten zu forschen.

Alice Mizuki [Yoko Asada] ist ein normales Mädchen. Sie ist äußerst umgänglich, hat Freunde und geht nachts gern aus. Alice findet, dass ihre Klassenkameradin Lain viel zu still ist und oft allein. Alice möchte Lains Freundin sein und ihr helfen, sich besser in die Gemeinschaft einzugliedern. Dafür lädt Alice sie in den Nachtclub Cyberia ein. Im Club angekommen, blüht Lains Persönlichkeit wider Erwarten Alices nicht auf. Anstattdessen passiert etwas Schreckliches...

Serial Experiments Lain

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"Present Day. Present Time.". So beginnen fast alle Episoden von Serial Experiments Lain. Dies ist mehr oder weniger wörtlich zu verstehen. Wir leben in einer Zeit, in der das Internet immer mehr an Stellenwert gewinnt, egal ob es um den Austausch von Informationen oder das Pflegen zwischenmenschlicher Beziehungen geht; Die virtuelle Welt und die Realität beinflussen sich zunehmend. Auch Lain lebt in einer Welt, in der das sogenannte Wired und die Realität zu verschmelzen scheinen. Infolgedessen beschäfigt sich die Serie mit akuten, sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Wie beinflusst der Computer und vorallem das Internet unser Leben? Wie verändern sich Verhaltensweise und Zusammenleben des Menschen? Verlieren wir durch den elektronischen Austausch von Wissen, Gemeinschaft, angeblicher Liebe und Zuneigung etwas von unserer Menschlichkeit? Klingt dystopisch, doch die Realität, unsere Realität, ist im Bezug dessen teilweise schon ziemlich bitter. In Serial Experiments Lain scheint es noch schlimmer. Die Menschen entfremden sich, die wahre Realität wird vernachlässigt, die virtuelle Identität überspielt das eigentliche Ego. Mit zunehmender Episodenzahl wird Lain immer weiter in den Sog des Wired gezogen. Nach einer Weile sind Bett und Puppen völlig aus Lains Zimmer verschwunden, die Wände voller Kabel, überall summende Maschinen, literweise Kühlflüssigkeit, kaum Platz mehr zum Atmen. Lains Wahrnehmung der Realität verschmiert, ihre Persönlichkeit mutiert. Was wartet am Ende ihrer Reise?

Serial Experiments Lain

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Und was erwartet den Zuschauer? Auf jeden Fall ein originelles und vielschichtiges Werk mit einer geradezu unheimlich dichten Atmosphäre. Am Besten alle dreizehn Folgen am Stück sehen, um sich völlig von der bedrückenden Stimmung in Serial Experiments Lain vereinnahmen zu lassen. Und wenn nicht am Stück, dann zumindest innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums, um nicht die Übersicht über den Plot zu verlieren. Der Erzählstil ist nämlich sehr kryptisch, manchmal bruchstückhaft und auf jeden Fall ziemlich komplex. Kann man mit sowas nichts anfangen, am Besten gleich die Finger von der Serie lassen, da sich die Sichtung ansonsten zu einer sehr zähen und langatmigen Geschichte entwickeln könnte. Dem Interessierten und aufmerksamen Zuschauer offenbaren sich allerdings nicht nur unzählige Meta-Ebenen, sondern auch zig Feinheiten und hundertausende Anspielungen auf wahre Vorkomnisse und reale Fakten (aufgegriffene Themen sind u.A. die Schumann-Resonanz oder die MJ12-Dokumente); Und vorallem ein interessanter Plot über die Notwendigkeit menschlicher Nähe, über das Definieren des Ichs, über schmerzliche Einsamkeit und letztendlich auch über Liebe. Doch hinter diesen ganzen Themen steckt noch viel mehr in Serial Experiments Lain. Was die Serie letztendlich wirklich bedeutet, liegt ganz an euch. Die Interpretationsansätze sind in jedem Fall endlos und wer sich zum Beispiel mal auf thought experiments lain umgesehen hat, weiß um den unerschöpflichen Diskussionsbedarf.

Serial Experiments Lain

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Das Charakterdesign in Serial Experiments Lain distanziert sich gewollt von modernen Trends. Die eher realistischen Gesichter und Staturen unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Geschichte. Auch sonst durchbricht man viele inszenatorische Routinen; Oft bedient man sich sogar gewisser 'Mind Games', um den Zuschauer vor den Kopf zu stoßen. Ein großartiges Beispiel ist die Infornography Episode. Der Titel (ein Neologismus aus "Information" und "Pornography") hält, was er verspricht. Ohne Vorwarnung kriegt man hier (zumindest auf den ersten Blick) sinn- und zusammenhanglose Rückblicke präsentiert, im Sekundetakt geschnitten, untermalt von kreischenden Gitarrensoli. Diese Sequenz hält mehrere Minuten an; Versucht man ihr aufmerksam zu folgen, droht der eigene Kopf wortwörtlich zu platzen. Es sind zu viele Informationen, eine wahre Informationsflut, Chaos, eine regelrechte Perversion des Wissens und letztendlich, um zum Titel zurückzukehren, im wahrsten Sinne des Wortes "Infornography". Solche Ideen und auch ganz generell die Inszenierung und Grundstimmung der Serien machen Serial Experiments Lain zu einem der innovativsten Anime überhaupt. Die ständige Präsenz von Überlandleitungen und seltsamen Schatten in den Bildern erschaffen eine ganz eigene, elektronisch-unterkühlte Atmosphäre. Geschickte Bildkompositionen unterstützen diesen Eindruck noch. Die großartige Musik, teilweise aus der Feder von Altmeister Nakaido 'Chabo' Reiichi, tut ihr Übriges. Verstörte Gitarrenriffs, verstimmte Akustikgitarren und experimentelle Elektronikstücke beherrschen den Soundtrack, der insgesamt auf drei CDs veröffentlicht wurde (der OST von 'Chabo', die Remix CD 'Cyberia Mix' und die etwas unbekanntere 'Bootleg' CD - die allerdings nur so heißt und kein wirkliches Bootleg ist). Unvergesslich bleibt auch das englischsprachige Intro von BôA (und nein, es handelt sich dabei nicht um die bekannte K-Pop Sängerin), ein melancholischer Ohrwurm, unglaublich gut. Auch das Outro "Toh-I Sakebi" von 'Chabo' macht sich wunderbar. Folgen wie Protocol gruseln dann noch über die eigene Laufzeit hinweg und storytechnische Höhepunkte wie Girls lassen den Zuschauer so schnell nicht wieder los. Serial Experiments Lain ist ein psychologischer Horrortrip, einzigartig, realitätsrelevant und seiner Zeit immer noch ein klein wenig vorraus. Mein Statement: Ein durch und durch gelungenes Experiment!

Es gibt eine deutsche DVD-Veröffentlichung von SPV aus dem Jahre 2004. Ich selber habe die alten Pioneer DVDs, die inzwischen im Rahmen der Geneon Signature Series neuaufgelegt wurden. Wie lange die Dinger noch zu haben sind, ist unklar, denn immerhin gibt es Geneon in dem Sinne ja garnicht mehr. Und das deutsche Release ist auch schon 'ne kleine Seltenheit.

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Kommentare, Trackbacks

Diceman [Besucher] Email · http://worthless-to-review.blogspot.com/
Diceman [Besucher]
Hört sich sehr cool an, vielen Dank für's drauf aufmerksam machen. :) Mußte beim Lesen teilweise an Kiyoshi Kurosawas "Kairo" denken, in dem es ja ebenfalls (auf einer Sekundärebene), um die Vereinsamung/Entmenschlichung des Individuums geht, aufgrund neuer Technologien (Internet).
PermalinkPermalink 01.05.08 @ 10:32
yuki [Mitglied] Email · http://nikki.kenmai.de/claes.php
yuki [Mitglied]
Kairo ist schon lange her bei mir, ist aber atmosphärisch auf jeden Fall ähnlich. Die Vereinsamung des Individuums wird in Lain allerdings viel deutlicher. Hm...muss Kairo aber mal wieder sehen, gehört zu den wenigen Horrorfilmen die mich damals noch wirklich gegruselt haben ;)

Wünsche schonmal viel Spaß mit dem Anime, falls du bald zu einer Sichtung kommst. Ist einer der ganz wenigen 1A Titel die ich als 'unbedingt sehenswert' betrachte *g*...und halt ganz anders als der Rest!
PermalinkPermalink 01.05.08 @ 17:09

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