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Claes ~ Anime Kritiken und Reviews ~

Akira Permalink

AT: アキラ
Genres: Science-Fiction. Action. Mecha.
Produktionsjahr: 1988
Episoden: 1 (Movie)

Akira

Das Jahr 2019, Neo Tokyo - 31 Jahre nach dem dritten Weltkrieg. Brutale Polizeitruppen versuchen Protest-Aktionen einzudämmen und revolutionäre Elemente festzunehmen, fast täglich lassen Terroristen Bomben hochgehen, religiöse Sekten hoffen auf die Ankunft ihres Messiahs Akira, die Politiker sind korrupt und verzetteln sich in unproduktiven Diskussionen, die absolut heruntergekommene Stadt ist ein Sünden-Pfuhl aus Unterdrückung, Apathie und Verzweiflung. Hier leben die Freunde Tetsuo [Nozomu Sasaki] und Kaneda [Mitsuo Iwata] und pflegen ihr halbstarkes Dasein als Motorrad-Rabauken. Ihr Alltag besteht aus wilden Straßenschlachten mit anderen Bikern. Bei genau einer dieser Verfolgungsjagden kracht Tetsuo plötzlich mit einem kleinen, merkwürdigen Jungen [Tatsuhiko Nakamura] zusammen und erleidet dabei schwere Verletzungen. Noch bevor Kaneda und der Rest der Gang ihrem Freund helfen können, tauchen wie aus dem Nichts ein paar Militär-Helis auf; Tetsuo und der unbekannte Junge werden verschleppt, Kaneda & Co. landen erstmal auf einer überfüllten Polizeistation. Dort lernt Kaneda die rebellische Kei [Mami Koyama] kennen, die anscheinend einer terroristischen Bewegung angehört. Durch sie stolpert Kaneda mehr oder weniger zufällig über Hinweise auf den Verbleib seines Freundes Tetsuo. Währenddessen werden mit dem merkwürdige Experimente mit erschreckendem Ergebniss durchgeführt.

Akira

Akira

Akira

Akira ist ein Meilenstein des Zeichentricks. Katsuhiro Otomos ganz persönliches Meisterwerk, u.A. dank dem damals revolutionären Aufwand für Bild und Ton. Das Endprodukt besteht immerhin aus 160.000 verfluchten Einzelbildern - die Animationen wirken selbst für heutige Standards noch bahnbrechend, mal ganz abgesehen von der satten und farbenfrohen Colorierung aller Szenen. Jeder, der sich für Cyberpunk-Szenarien interessiert, sollte Akira jedenfalls nicht verpassen - selten wurde eine derart düstere Zukunftsvision optisch so überzeugend und detailreich verwirklicht. Auch die Actionszenen hauen ordentlich rein, es geht unheimlich temporeich zur Sache, der Zuschauer wird mit Adrenalin geradezu vollgepumpt. Besonders die Motorradschlacht zu Beginn bleibt unvergesslich, nicht zuletzt auch dank des treibenden Soundtracks unerreicht in seinem ganz eigenen Feeling. Zum Finale hin folgt dann eine apokalyptische Zerstörungsorgie der nächsten. Unblutig ist Akira auch nicht gerade - für Kinder sowieso schonmal nix! Inhaltlich versucht man sich an der Darstellung einer durch und durch dekadenten Gesellschaft frei von ehrlichen Träumen oder Klarheit, welche wiederum von einem korrumpierten System beherrscht wird, dessen letzter ehrlicher Pfeiler nur noch ein gewisser Colonel und Soldat Shikishima [Tarô Ishida] zu sein scheint. Das Setting ist absolut postapokalyptisch, in vielen Momenten wird herbe, jedoch berechtigte Sozialkritik deutlich. Manchmal wirkt Akira wie ein Film, der seiner Zeit vorraus war, es vielleicht sogar noch ist.

Akira

Akira

Akira

Warum gibt es dann keine fünf Sterne? Dafür hab ich ein paar, wahrscheinlich eher persönliche Gründe. Zuersteinmal kommen mir viele der Charaktere und Zusammenhänge einfach zu kurz. Akira erzählt eine relativ komplexe Story, besteht aber größtenteils aus aufwändigen Actionszenen und muss sich deshalb abseits dieser geradezu durch den Plot hetzen. Dadurch bleibt es zwar immer spannend, interessant und vorallem unterhaltsam, doch Zeit zum Nachvollziehen einzelner Handlungsstränge bleibt kaum. Außerdem hab' ich den Film inzwischen zum vierten Mal gesehen und so langsam nerven mich halt Takashi, Masaru und Kiyoko. Warum kriegen die so viel Screentime? Ich weiß, es muss sein, aber mehr Tetsuo, Kaneda oder Kei wäre mir deutlich lieber gewesen. Oder einfach mehr Laufzeit; Akira geht zwar schon volle zwei Stunden, doch wirkt trotzdem noch übelst komprimiert - 'nen richtiger drei Stunden Epos wäre eigentlich der Knaller gewesen! Das Manga ist ausführlicher, epischer, brutaler und besser. Dessen ungeachtet, bleibt Akira trotzdem ein zeitloses Meisterwerk, actionreich, virtuos und trotz viel Gewalt anspruchsvoll. Ebenfalls muss man dem Film hoch anrechnen, dass er für einen internationalen Popularitätsaufschwung bezüglich Anime gesorgt hat.

Akira

Akira

Akira

Es gibt eine alte deutsche DVD von Laser Vision und eine neue Ultimate Edition von Panini. Auf Letzterer finden sich angeblich die alte und neue Tonfassung der deutschen Synchro - Ich kenne Beide nicht. Dafür kenne ich die (neue) englische Tonspur, die relativ gut ist, trotzdem aber kein Vergleich zum O-Ton. Ich persönlich hab die RC1 Limited Metal Edition von Geneon Entertainment, die absolut genial ist, aber natürlich OOP. Die deutschen Releases scheinen dummerweise auch OOP. Egal, kennt Jemand den Film tatsächlich noch nicht, soll er sich den umgehend und irgendwie in bestmöglicher Qualität besorgen. Er ist absolut geil, trotz fehlender Höchstwertung und meinen kleinen, ganz privaten Defiziten.

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