AT: Read or Die - The TV
Genres: Science-Fiction. Mystery. Drama. Action. Fantasy.
Produktionsjahr: 2003
Episoden: 26 (TV)






TV-Fortsetzung der Read or Die OVA - spielt ein paar Jahre dannach. Diesmal konzentriert sich der Plot auf Nenene Sumiregawa [Satsuki Yukino], eine Autorin in der Schaffenskrise, und die drei Schwestern Anita [Chiwa Saito], Maggie [Hiromi Hirata] und Michelle [Shoko Kikuchi], welche zusammen eine Art Detective Bureau in Hong Kong führen. Schon zu Beginn der Serie werden sie von Nenenes Manager als Leibwächter angeheuert, um die anscheinend umstrittene Autorin vor möglichen Anschlägen zu schützen. Zu Recht, wie sich bald herausstellt.

Muss Nenene gerade mal nicht beschützt werden, erledigen die drei Schwestern dubiose Aufträge für einen gewissen Verein namens Dokusensha, welcher meistens daran interessiert ist, bestimmte Bücher aus den Händen obskurer Privatpersonen zu entwenden. Das alles hängt natürlich irgendwo mit den Ereignissen aus der OVA zusammen: So kennt Nenene beispielsweise Yomiko Readman [Rieko Miura], welche seit einigen Jahren jedoch spurlos verschwunden ist. Außerdem sind Michelle, Maggie und Anita ebenso wie Readman sogenannte Papermaster. Der eigentliche Knackpunkt bleibt vorerst jedoch im Verborgenen...

Im Kontext mit der OVA eine stellenweise wirklich clever geschriebene Fortsetzung, die geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers spielt, zumindest wenn es um altbekannte Charaktere geht. Nur soviel: Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Doch bis zu diesem Erkenntnispunkt, nimmt sich die TV-Serie ersteinmal ein bißchen Zeit, um die neuen Charaktere und Handlungselemente einzuführen. Die ersten paar Folgen beschäftigen sich überhaupt nur damit, wie die frustrierte Autorin und ihre drei Leibwächterinnen sich aneinander gewöhnen; Die Vier wohnen nämlich fortan auch zusammen. Was folgt, ist ein liebevoll konstruiertes Geflecht aus hintergründiger und emotionaler Charakterentwicklung inmitten entspannt inszenierter Alltagsmomente. Die eigentliche Handlung wird nur bruchstückhaft vorangetrieben, der Zuschauer erhält fetzenweise Hinweise auf eine sich noch zurückhaltende Bedrohung, ist aber größtenteils mit kleineren Subplots beschäftigt. So erleben wir nicht nur Michelle und Maggies Büchersucht, sondern auch Anitas Schulleben und Nenenes Konflikt mit ihrer Depression.

Mit voranschreitender Laufzeit entwickelt sich R.O.D. The TV jedoch zu einem waschechten Epos á la Brave New World oder Fahrenheit 451. Fanatische, teils faschistische Motivationen hinter den Antagonisten, Bücherverbrennung- und zensur in China, utopische Intentionen und dystopische Konsequenzen. Zugegeben, hier übernimmt sich der Plot stellenweise und bauscht die leicht überzogene Geschichte zu sehr auf. Kurz gesagt: Das Ganze wirkt in den letzten Episoden nur noch kaum glaubwürdig. Die OVA war zwar auch schon ziemlich abgedreht, nahm sich aber weniger ernst und wirkte deswegen vernünftiger. Die TV-Serie meint's aber gerade im Finale so richtig todernst, wo's halt inklusive Hommages an Doyle's 'Lost World' und Wells 'War of the Worlds' ziemlich abdriftet. Apropro, die Namen von Anita, Maggie und Michelle sind natürlich eine Anspielung auf die chinesischen Schauspielerinnen Anita Mui, Maggie Cheung und Michelle Yeoh. Außerdem gibt es eine Taube mit dem Namen Woo. Überhaupt steckt Read or Die mal wieder voller Zitate aus Literatur und Film.

Animationen und Zeichnungen sind besonders in der ersten Hälfte vorzüglich. Die Actionszenen sind flüssig, temporeich und spannend inszeniert, Räume und Hintergründe mit großer Detailverliebtheit ausgestattet. Mit der Zeit sinkt die optische Qualität jedoch etwas ab. Besonders angenehm empfinde ich allerdings die dominierende Präsenz von Büchern in den Bildern. Fast jedes Appartment aus Read or Die scheint bis zur Decke mit Wissen angereichert, die büchergefüllte Wohnung der drei Schwestern in Hong Kong platzt wortwörtlich aus allen Nähten. Die Musik kommt erneut von Taku Iwasaki und ist ziemlich jazzy, trägt jedenfalls nicht unfern zur manchmal entspannten Atmosphäre der Serie bei.

Während das Finale leicht zu enttäuschen vermag, gibt sich die Serie ansonsten redlich Mühe, einen sehr guten Eindruck zu hinterlassen. Der Plot ist geradezu unglaublich abwechslungsreich und wartet mit vielen interessanten Elementen, Wendungen und Überraschungen auf. So gibt es beispielsweise auch eine ziemlich kafkaesque Episode. Die Charaktere sind allesamt äußerst liebenswert und lebendig, allen voran die drei Schwestern, deren verträumter Lebensstil mehr als beneidenswert ist. Fans der OVA sollten die TV-Serie jedenfalls nicht missen, alle anderen sollten zumindest die geniale OVA mal anschauen und dann weiterüberlegen. So oder so ist R.O.D. The TV aber auch ganz generell eine empfehlenswerte Angelegenheit; Die magische Atmosphäre, die Charaktere und einige sehr emotionale Momente lassen die wenigen Defizite leicht verzeihen. Nicht zu vergessen, dass das Ganze auch ein bißchen innovativ ist - zumindest manchmal.









Dieser Eintrag wurde am 28.01.2010 um 15:11:11 erstellt und befindet sich in Anime, drama, science-fiction, fantasy, action, mystery.
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