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Claes ~ Anime Kritiken und Reviews ~

Neon Genesis Evangelion Permalink

AT: 新世紀エヴァンゲリオン; Shin Seiki Evangelion
Genres: Science-Fiction. Mystery. Drama. Mecha. Action.
Produktionsjahr: 1995
Episoden: 26 (TV)

Neon Genesis Evangelion

Ein im Jahre 2000 in die Antarktis stürzender Meteorit löst ein globales Disaster aus: Beben, Überschwemmungen, vergiftete Atmosphären. Dieser Vorfall geht als Second Impact in die offiziellen Geschichtsbücher ein. Was wirklich passiert ist, steht auf einem anderen Blatt...
Fünfzehn Jahre später bedrohen sogenannte Engel die Erde. Von Neo-Tokyo 3 aus, dem Hauptquartier der paramilitärischen Organisation NERV, versucht Kommandant Gendo Ikari [Fumihiko Tachiki] mit Hilfe riesiger Mechas, genannt EVA, die Invasion der Engel zu stoppen. Als ihm die Piloten ausgehen, beruft er seinen vernachlässigten Sohn Shinji [Megumi Ogata] ein, um als Ersatz einzuspringen. Doch die Psyche des Jungen ist äußerst labil.

Neon Genesis Evangelion

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Unschuldige Kinder, riesige Roboter, obskure Hintermänner, enigmatische Feinde: Beginnend als simpler Mecha-Plot, entwickelt sich die Serie im Laufe der 26 Episoden fast schleichend zum psychologischen Über-Drama biblischen Ausmaßes. Gestörte Charaktere, undurchsichtige Motive, ein surrealer, unbekannter Feind und Symbole aus allen Weltreligionen - für Analytiker ist Neon Genesis Evangelion eine wahre Fundgrube unterschiedlichster Interpretationsansätze. So verfügt der komplexe Plot gleich über ein Dutzend funktionierender Handlungsebenen: Der Zuschauer bekommt nicht nur Einblick in die Vorgänge innerhalb des NERV Hauptquartierts, sondern auch Zugang zu den politischen, teils internationalen Ereignissen. Mehr und mehr werden dann jedoch die persönlichen Ereignisse der jungen Piloten in den Vordergrund gerückt, allen voran die des Hauptcharakters Shinji, welcher mit seiner ultimativen Unsicherheit und der unbedingten, wirren Sehnsucht nach Akzeptanz sowie Liebe die Identifikationsfigur schlechthin ist. Überhaupt geht es in Neon Genesis Evangelion viel weniger um den eigentlichen Sci-Fi Plot, sondern mehr um Shinjis geschädigte Psyche, welche quasi Sinnbild für die allgemeine, wachsende Perspektivlosigkeit und den offenkundigen, kaum noch zu verkraftenden Weltschmerz ist. Das es dem geistigen Vater der Serie, Hideaki Anno, tatsächlich mehr um das erkrankte Ego des Menschen geht, als um aufregende Robo-Action, kristallisiert sich spätestens im abstrakten Finale heraus, in dessem Rahmen Shinjis Geist eine letztendliche, alle Ketten sprengende Katharsis erfährt - während der eigentliche Plot um NERV & Co. völlig im Nichts verschwindet. Eine zweischneidige Angelegenheit, besonders für Fans der handfesteren Storyline. Meiner Meinung nach jedoch der perfekte Abschluss für eine fast perfekte Serie.

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Fast perfekt, weil den Produzenten mit der Zeit das Budget ausging und die Serie deshalb mit häufigen Standbildern und recycelten Animationen auskommen muss. Bei den Standbildern sind die meisten Motive zwar interessant genug, um von den Sparmaßnahmen abzulenken, doch mehrere Szenen dürften selbst dem ungeschulten Auge etwas negativ auffallen. Zum Glück drückt das den positiven Gesamteindruck kaum, denn immerhin gibt es ja noch den vorzüglichen Soundtrack, der abgesehen von genialen Eigenkompositionen mit Beethoven, Bach oder im Outro gar Frank Sinatras Fly Me to the Moon (natürlich eine Coverversion) aufwartet. Überhaupt halte ich den überaus abwechslungsreichen Soundtrack für einen Meilenstein der Anime-Geschichte.

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Neon Genesis Evangelion sorgte für internationales Aufsehen und einen globalen Popularitätsanstieg des japanischen Zeichentrick. Die komplexe Mischung aus Sci-Fi, Mecha-Action, psychologischem Kammerspiel, surrealen Traumsequenzen und tiefgründigen, größtenteils kaputten Charakteren übte einen ganz besonderen Reiz auf die damaligen Zuschauer aus. Kurz gesagt: Sowas hatte es noch nicht gegeben. Helden, die keine waren, zweifelhafte Identifikationsfiguren, undurchsichtige Feindbilder, unmoralische Entscheidungen, pubertäre Krisen. Auf der Suche nach Stereotypen und routinierten Twists wird man bei Neon Genesis Evangelion nicht fündig; Die kaum fassbaren Meta-Ebenen sind eine Wucht! Hinzu kommen das äußerst gelungene Mecha-Design und die liebevoll gestalteten Technikideen. Im Prinzip ist hier für jeden was dabei, ohne dass das Endprodukt durchkalkuliert wirkt. Unbedingt sehenswert, schon alleine weil Neon Genesis Evangelion die japanische TV-Landschaft maßgebend beeinflusste und solche Serien wie Serial Experiments Lain, RahXephon, Gasaraki oder auch Cowboy Bebop ohne Hideaki Annos Pionierarbeit vielleicht nie möglich gewesen wären. Neon Genesis Evangelion ist ein Meisterwerk und gibt selbst nach der fünften Sichtung nicht nach, eher im Gegenteil. DVDs gibt es quasi überall zu kaufen, inzwischen sogar eine sogenannte Platinum Edition mit neu hinzugefügten, teils äußerst lobenswerten Directors Cut Szenen (größtenteils in den späteren Episoden). Es folgten mehrere Kinofilme, Manga-Adaptionen, Videospiele und was weiß ich nicht alles.

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