AT: 千年女優; Sennen Joyu;
Genres: Drama. Romance.
Produktionsjahr: 2001
Episoden: 1 (Movie)


Dem Filmverehrer und Studiobesitzer Genya Tachibana [Shôzô Îzuka] gelingt es, ein Interview mit der einstigen Cinema-Ikone Japans zu ergattern: Chiyoko Fujiwara [Fumiko Orikasa, Mami Koyama, Miyoko Shôji], inzwischen ergraut und in die Jahre gekommen, hat sich ab einem gewissen Zeitpunkt der Öffentlichkeit entzogen und ist so dem jüngeren Publikum - wozu u.A. auch Genyas Kameramann Kyoji Ida [Masaya Onosaka] gehört - nur noch kaum bekannt. Während der Dreharbeiten zum Interview werden sowohl Chiyokos Erinnerungen an ihre Filmen, als auch Genyas Kino-Leidenschaft erneut zum Leben erweckt. Tiefer und tiefer reißt sie der Strudel an vergangenes Leben vor und hinter dem Zelluloid mit. Realität und Film verschmilzen so zu einem leidenschaftlichen Traum, der letztendlich die volle Essenz von Chiyokos Lebensinhalt und zufällig auch einen Teil der Geschichte Japans wiedergibt.

Wer hätte gedacht, dass die schönste Liebeserklärung an Film und Kino in animierter Form daherkommt. Millennium Actress ist tragisch, romantisch, episch und von der ersten bis zur letzten Sekunde ein liebevoll gezeichnetes Portrait einer Fiktion, die nicht nur Gleichniss für die Bürden eines Landes ist, sondern auch Symbol für alles, was das Kino und den Film an sich lebendig, sehens- und liebenswert macht. Genya dient dabei als ultimative Identifikationsfigur für Filmsammler mit Herz, er trotzt Erdbeben und allgemeiner Desinteresse, nur um seiner Wertschätzung gegenüber dem Zelluloid Ausdruck zu verleihen; Er liebt Filme und ganz besonders jene, in denen Titelfigur Chiyoko mitspielt. Im Prinzip liebt er auch Chiyoko selbst und das, was sie verkörpert. Diese Leidenschaft kommt nicht von ungefähr - Chiyoko stellte in ihren Filmen immer das da, was sie zu dem Zeitpunkt wirklich war und fühlte. Millennium Actress ist sowieso eine Hommage an alle Schauspieler und Regisseure, die mit Herzblut und Persönlichkeit arbeiten, ein Hoch auf Produktionen mit Seele.

Ganz abgesehen davon, bietet Millenium Actress auch die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten. Im Rückblick erzählt der Film nämlich die verzweifelte Suche nach einem Künstler, den Chiyoko während des Faschismus zur Flucht verholfen hat. Eine fast hoffnungslose Liebe, die stets droht, wieder im Keim erstickt zu werden. Genauso wie Chiyokos Filmkarriere, die geprägt ist von Eifersüchteleien und Manipulation. Das alles und noch viel mehr mischt Satoshi Kon zu einem surrealen Anime-Cocktail zusammen. Wie schon in Perfect Blue verschwimmen hier oftmals Traum, Film und Realität miteinander. Ein ausgeklügelter Kniff, denn immerhin sind im Leben Chiyokos die Grenzen zwischen den drei Elementen nicht immer ganz eindeutig. Die Musik von Susumu Hirasawa spielt auch noch eine besondere Rolle: Mit fantastischen und originellen Synthesizer-Tönen scheint der Soundtrack die letzten Grenzen der Realität zu sprengen. Wenn eine Zeitperiode zur anderen transzendiert, könnten Hirasawas Töne nicht perfekter sein. Überhaupt gibt es rein produktionstechnisch nichts zu meckern. Der Film ist vorzüglich animiert, wunderbar gezeichnet und hat gleich mehrere, unglaublich talentierte Sprecher zu bieten.

Schon Satoshi Kons zweiter großer Film ist ein Meisterwerk der Extraklasse. Virtuos, komplex, vielschichtig und doch eindeutig und unkompliziert in seiner Aussage. Ganz große Gefühle, die berühren können, Freude, Trauer und viel, viel Lebendigkeit. Millenium Actress ruft auf zauberhafte Weise in Erinnerung, warum man anfing, Filme zu gucken. Nicht nur das. Millenium Actress erweckt die Liebe zum Film von Neuen.







Dieser Eintrag wurde am 20.10.2010 um 07:00:00 erstellt und befindet sich in Anime, drama, romance.
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