AT: 妄想代理人
Genres: Mystery. Drama.
Produktionsjahr: 2004
Episoden: 13 (TV)


Die Maskottchen-Designerin Tsukiko Sagi (Mamiko Noto) wird eines Nachts von einem seltsamen Jungen mit Baseballschläger niedergeschlagen. An das Tätergesicht kann sie sich nicht erinnern, doch soll der Unbekannte goldene Inlineskates und eine Baseballmütze getragen haben. Kurz darauf startet die Polizei die Fahndung. Verantwortlich für die Ermittlungen sind Keiichi Ikari [Shozo Iizuka] und sein junger Kollege Maniwa [Toshihiko Seki]. Doch die ersten Untersuchungen der Beiden erweisen sich als ziemlich erfolglos; Schlimmer noch, plötzlich werden weitere Menschen von dem verrückten Kind angegriffen. Schnell greift die Presse das Phänomen auf und bezeichnet den wahrscheinlichen Serientäter als Shonen Bat, bzw. Lil' Slugger. Trotz der sich häufenden Angriffe des Unbekannten verwischen sich die Spuren jedoch immer mehr.


Satoshi Kon übertrifft sich mit dieser Serie noch ein letztes Mal. Wie gewohnt, sollte man sich aber auf ein äußerst fantasievolles Erlebniss voller Traumbilder und Metaphern einstellen: Die zu Beginn vermeintliche Krimigeschichte wandelt sich schnell zur wirren Über-Parabel, die den Zuschauer mehr als einmal hinters Licht führt und sich auch nicht groß um einen deutlich auszumachenden, roten Faden in der Geschichte kümmert. Im Prinzip gibt es noch nicht einmal einen wirklichen Hauptcharakter - selbst die quasi im Mittelpunkt stehende Tsukiko Sagi erscheint in einzelnen Folgen garnicht, oder nur äußerst selten. Wer sich an der routinefreien Inszenierung voller Falltüren nicht stört, kriegt jedoch etwas ganz Großes serviert. Auch wenn die psychologischen Tiefen, die schizophrenen Figuren, die soziale Kritik und vorallem die Verwischung von Wirklichkeit und Traum sich wie ein wiederholendes Potpourri von Kons inzwischen typischen Lieblingsthemen anfühlt, kann Paranoia Agent viele virtuose Momente und auch eine inhaltliche Eigenständigkeit für sich gewinnen. Zudem ist nichts dagegen einzuwenden, seinen eigenen Stil herauszuarbeiten und diesen dann auch erneut anzuwenden.


Um es auf den Punkt zu bringen: Auch wenn Paranoia Agent von Mal zu Mal wie ein zusammenhangloses Recycling von Kons übriggebliebenen Ideen wirkt, erweist sich die Serie spätestens zum Ende hin als individuelles und vorallem auch perfekt durchdachtes Konstrukt. Hinter dem Vorwand der "Whodunit!?" Story versteckt sich eine Reise in die Abgründe menschlicher Gedanken, welche in uns erwachen sowie wachsen und letztendlich zu den Antriebskräften mutieren, welche unser Leben bestimmen. Paranoia Agent deckt die Fragwürdigkeit dieser Antriebe auf, stellt die Macht dieser Gedanken dar und zeigt auf, was für Auswirkungen solche Machtportale im näheren oder auch entfernteren Umfeld haben können. Auch wird ein ewiger, nicht enden wollender Kreislauf im Zusammenhang solcher Gedankengänge, welche im Grunde völlig unser Leben vereinnahmen, eingeräumt: Selbst nach der alles lösenden Katharsis scheint der Rückfall in alte und neue Problemmuster versichert. In diesem Sinne ist Satoshi Kon mal wieder ein völlig einzigartiges und originelles Werk gelungen, welches nicht Jedermann gefallen dürfte, doch mit Sicherheit an der Spitze alternativer Animeserien á la Serial Experiments Lain oder Texhnolyze steht. Und von denen gibt es jederzeit zuwenig.


Der Soundtrack kommt von Susumu Hirasawa, der für Kon auch schon in Millenium Actress seine Finger hat spielen lassen. Großartiges Ding übrigens - alleine schon das Outro. Animationen und Zeichnungen sind ebenfalls erste Klasse. Produktionstechnisch gibt es an der abwechslungsreichen Serie sowieso nichts zu meckern. Inhaltlich natürlich ein gelagerter Spezialfall, aber mir persönlich hat's absolut gefallen - unabhängig vom wunderbaren Spiel mit Metaphern auch eine beneidenswert emotionale Geschichte mit einigen Schockmomenten. Ein deutsche DVD-Komplettbox kommt von Anime Virtual, bzw. Anime Video.








Dieser Eintrag wurde am 29.11.2010 um 12:39:00 erstellt und befindet sich in Anime, drama, mystery.
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