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Claes ~ Anime Kritiken und Reviews ~

Memories Permalink

AT: メモリーズ; Katsuhiro Otomo Presents: Memories
Genres: Science-Fiction. Drama. Mystery. Comedy. Action.
Produktionsjahr: 1995
Episoden: 3 (Movie)

Memories

Episches Konstrukt aus drei voneinander unabhängigen Anime-Kurzfilmen mit jeweils unterschiedlichen Laufzeiten, dessen looser und auch nur auf's grobe Thema bezogener Zusammenhang bereits im Titel angedeutet wird: Es geht um Erinnerungen. Die Geschichten stammen allesamt aus der Feder von Katsuhiro Otomo, von dem man zumindest den weltberühmten Akira kennen sollte. In den einzelnen Folgen haben jeweils auch andere Sternchen der Szene mitgewirkt. Den Anfang von Memories macht jedenfalls...

Memories

...Magnetic Rose: In dieser atmosphärischen Sci-Fi Geschichte stößt ein Bergungsschiff auf ein merkwürdiges S.O.S. Signal im Weltall - eine Arie aus der Oper Madame Butterfly. Die Mannschaft verfolgt den vermeintlichen Hilferuf in eine alte, ziemlich verkommene Raumstation inmitten eines magnetischen Trümmerfeldes zurück. Die beiden Astronauten Heintz [Tsutomu Isobe] und Miguel [Kôichi Yamadera] machen sich daran, die Raumstation nach Überlebenden oder sonstigen Hinweisen zu durchsuchen. Im Inneren treffen sie auf wunderschöne, altmodische Einrichtungen, verführerische Hologramme und vorallem auf die Überbleibsel und Erinnerungen der ehemals populären Opern-Diva Eva Friedal [Gara Takashima]. Doch das Memorandum des einstigen Idols könnte zum metallenen Grab für die beiden unerwünschten Gäste werden...

Memories

Magnetic Rose ist mit Sicherheit der komplexeste Film aus Memories. Dank Drehbuchautor Satoshi Kon zugeschüttet mit Meta-Ebenen und unausgesprochenen Gedankenideen, kann das Ganze zu einem relativ schwerfälligen, aber vorallem auch rätselhaften Erlebniss werden. Blickt man dahinter, eröffnet sich die wahrscheinlich wuchtigste Geschichte über die Macht von Erinnerungen, die man in der kurzen Laufzeit jemals erleben durfte. Unglaublich was hier mit Hilfe von Rückblicken, Illusionen und Dialogen alles an Tiefsinn und Schwermut in die Episode gepackt wird. Nicht für Jedermann, aber in jedem Fall ein exzellenter Beitrag zum Genre - allerdings darf man keine Action erwarten. Magnetic Rose ist im wahrsten Sinne des Wortes Science-Fiction. Die Regie führte Kōji Morimoto. Der tolle Soundtrack kommt von Yoko Kanno.

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Die zweite Episode Stink Bomb ist im Gegensatz zum Vorgänger eher leichte Kost: Im winterlichen Yamanashi stolpert der von einer Grippe geplagte Labortechniker Nobuo Tanaka [Hideyuki Hori] auf eine experimentelle Erkältungsmedizin, die er im Büro seines Bosses aufgabelt. Ausgelaucht vom ständigen Schnupfen, haut sich Nobuo einfach mal eine Pille davon rein. Großer Fehler: Am nächsten Tag scheinen alle Menschen in der Gegend gestorben zu sein, die winterliche Landschaft wird von einem plötzlichen Frühling durchbrochen und Nobuo scheint der Einzige in der Gegend, der noch bei Bewusstsein ist. Auf der Suche nach Hinweisen, was eigentlich passiert ist, stell sich heraus, das Nobuo zur lebenden Stinkbombe mutiert ist - oder sowas in der Art. Ein Ausnahmefall für das japanische Militär beginnt.

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Bei Weitem weniger Meta als Magnetic Rose, dafür aber um einiges unterhaltsamer, mit schwarzem Humor angereichert und vorzüglich animiert. Der panische Nobuo ist einfach ein wunderbarer Nix-Checker, die Regierung betreibt typische Panikmache und die Amerikaner - großartig dargestellt von einem bosshaften, schwarzen Riesen im Army-Dress mit gut fünf Dutzend Auszeichnungen auf der Brust - wollen Nobuos Fähigkeiten natürlich direkt als Waffe exportieren. In dem Sinne auch nicht völlig metafrei, denn immerhin wird Nobuo mit allen Herren Waffen bekämpft, anstatt dem Jungen mal zu erklären, was eigentlich los ist. Typisch Japan: Jeder, der aus der Reihe tanzt, wird aussortiert. Abgesehen davon aber harmlose Spaßmacherei, absolut überzogen und etwas sinnfrei, gleichzeitig amüsant und mit witzigem Soundtrack von Jun Miyake ausgestattet. Regie führte Tensai Okamura.

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Die letzte Episode heißt Cannon Fodder und demonstriert den Alltag einer dreiköpfigen Familie in einer dystopischen und von Krieg geprägten Steampunk Zukunft. Die einzige Aufgabe der Stadtbewohner scheint zu sein, die riesigen Kanonen auf die angeblich gegnerische Stadt abzufeuern. Während der Vater für das Laden von Kanone Nummer 17 zuständig ist, wird der Sohn in Ballistik unterrichtet - er soll ja später auch mal seinem Heimatland dienlich sein. Die Mutter arbeitet währenddessen in der Munitionsfabrik.

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Auffällig ist der merkwürdig andere Zeichenstil, der weit weg ist vom kunterbunten Animestandard, ebenfalls auffällig ist die Art der Animationen; Die gesamte Episode wirkt fast so, als ob sie innerhalb "eines Takes gedreht" wurden sei - es gibt also keine Schnitte, die Szenen gehen fließend ineinander über. In jedem Fall sehr aufwändig gemacht und alleine schon deshalb sehenswert. Nicht zuletzt deswegen auch eine äußerst atmosphärische Episode. Im Großen und Ganzen ist Cannon Fodder mit all seinen Nazi-Anspielungen und Faschismus-Parallelen natürlich nichts weiter als eine aufgeblasene Allegorie, die sich vollkommen auf seine Inszenierung und Darstellung der absolut tristen Welt verlässt und abseits davon keine weiteren Bemühungen versucht. Trotzdem verfehlt das Ding seine Wirkung nicht und bleibt stark in Erinnerung - letztendlich nicht weniger gut oder schlecht als die zwei anderen Beiträge aus Memories und mit Sicherheit auch ein gelungener Abschluss des Trips. Diese letzte Episode wurde von Katsuhiro Otomo höchstpersönlich inszeniert.

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Insgesamt hat jede der drei Episoden seine Stärken und Schwächen. Magnetic Rose ist etwas langatmig und vielleicht zu verkünstelt, Stink Bomb ziemlich sinnlos und Cannon Fodder ein wenig einfältig. Trotzdem überwiegen die Stärken letztendlich. Großartige Atmosphäre, interessante Plots, komplexe Metaphern und spaßiger Kurzweil vereinen sich in Memories letztendlich zu einem spannenden sowie originellen Gesamtcocktail, den kein Fan missen sollte. Auch was für die Nicht-Anime Freunde unter uns. Verschiedene DVD-Fassungen gibt es von Sony Pictures.

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