claes . little book of journeys
nikki. kenmai
Kuroi Tenshi's darkness
b2evo


Flint Paper is insane. I really respect that!

The Pianist (2002; Frankreich, Deutschland, England, Polen) Permalink

AT: Der Pianist
Genres: War. Drama.
Regie: Roman Polanski

"Alle gleich." "Nur wir Deutschen sind 'nen bißchen gleicher."

Roman Polanski - The Pianist - 2002

Als die Nazis in Polen einfallen, erlebt der jüdische Pianist Wladyslaw Szpilman [Adrien Brody] hautnah die deutsche Machtübernahme in Warschau. Schritt für Schritt und völlig systematisch werden er und andere Juden in ihren Rechten beschnitten und schließlich in einem Ghetto zusammengepfercht. Kämpft man zu Beginn noch um die Bewahrung eines gewissen Lebensniveaus mit Kultur, geht es nach und nach eher um den Erhalt des täglich Brot, bis letztendlich und tatsächlich Leib & Seele auf dem Spiel spielen. Das Überleben gleicht einem Glücksspiel und ein Ende des Krieges scheint nicht in Sicht.

Der Pianist beruht auf den Memoiren des inzwischen verstorbenen Władysław Szpilman. Der Film beschränkt sich deswegen auf den Blickwinkel der Titelfigur. Nüchtern eingefangen und sauber unterteilt, erleben wir mit Hilfe von Szpilmans Augen die plötzliche Machtübernahme der Nazis, dann die konsequent einsetzende Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung. Szenenweise werden Szpilman und seine Familie immer mehr in ihren Rechten beschnitten, schließlich im jüdischen Ghetto zusammengepfercht.

Die Erzählung ist übersichtlich gestaltet, man verliert nie den Faden, geschweige denn das Interesse. Was in den ersten Szenen noch relativ harm- und ahnungslos wirkt, mutiert nach und nach zum manchmal fast schon makaberen Portrait über antisemitische Gewaltverbrechen, einem Pamphlet an die Unmenschlichkeit. Am Rand schmückt Polanski das autobiographische Geschehen mit für ihn typischen Merkwürdigkeiten, viel kühle Tragik, die manchmal fast komisch wirkt, doch es nicht ist. Die Kulissen sind große Klasse, die Deutschen sprechen deutsch, die Polen englisch, der Film wirkt relativ authentisch, auch wenn einige Szenen wie Theatermomente inszeniert sind, ein bißchen künstlich, aber immerhin voller Sprache. Ein Trick hat es mir besonders angetan: In einer Szene entdeckt Adrian Brody vier Leichen vor einer Häuserwand und ist von der Situation völlig überfordert. Wenig später ignoriert er die Toten nur noch und nicht nur das, auch für den Zuschauer wirken die ins Bild eingefügten Kriegsopfer nun fast unsichtbar, als ob sie mit dem Asphalt der Straße verschmelzen würden. Polanski schafft es, die Gewöhnung an das Grauen zu vermitteln.

Roman Polanski - The Pianist - 2002

Was mir nicht gefällt, sind ein paar wenige Computereffekte, die sich nicht ganz so einwandfrei ins Bild einfügen. Man muss sie allerdings nicht bemerken. Leicht dämlich war zudem die eine Szene mit dem brennenden Haus, in der Polanski scheinbar seine erst kürzlich erworbenen "9/11" Impressionen recyclet. Fand ich jedenfalls ein bißchen seltsam. Im Großen und Ganzen hat man mit Der Pianist aber einen großartigen Film vor sich. Adrian Brody spielt wunderbar, viele der Nebendarsteller auch. An Thomas Kretschmann kann man nur wenig aussetzen. Für zweieinhalb Stunden ist der Film zudem verdammt kurzweilig. Die Bilder sind gut, die Musik stimmig, darunter mindestens zwei wunderbare Stücke von Chopin. Was will man mehr? Naja, mehr geht immer, aber nicht hier. Das Zitat stammt übrigens tatsächlich aus dem O-Ton.


Trackback Adresse für diesen Eintrag:


Kommentare, Trackbacks

Bisher keine Kommentare/Trackbacks für diesen Eintrag...


Hinterlasse einen Kommentar:

Deine E-Mail Adresse wird nicht angezeigt.
Deine URL wird angezeigt.

Erlaubte XHTML Tags: <p, ul, ol, li, dl, dt, dd, address, blockquote, ins, del, span, bdo, br, em, strong, dfn, code, samp, kdb, var, cite, abbr, acronym, q, sub, sup, tt, i, b, big, small, a>
Willst du einen Link einsetzen, musst du ebenfalls den XHTML-Tag a nutzen.

Du willst auch ein Bild bei deinen Kommentaren haben, wie es einige Kommentatoren tun? Dann schau dich auf gravatar.com um und lese, wie es geht.

1 - 2
Bitte kopiere deinen Kommentar vor dem Absenden!
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Setze Cookies für Name, E-Mail und URL)
(Erlaube Benutzern, Dich über ein Nachrichten-Formular zu kontaktieren (Deine E-Mail Adresse wird NICHT angezeigt).)
Bei neuen Kommentaren zum Beitrag benachrichtigen?!

Die neuesten Beiträge

Flint Paper
...welcome...

Archiv

Kategorien

Zuletzt kommentiert

Top Artikel


Syndiziere dieses Blog