AT: Avatar - Aufbruch nach Pandora
Produktionsland: USA. England.
Genres: Science-Fiction. Action. Drama. War. Romance.
Regie: James Cameron

James Camerons Epos über den fremden Planeten Pandora und die dort lebende Rasse der Na'vi, welche von den Menschen bedroht werden, weil jene nach einer kostbaren Ressource in den Lebensräumen der Na'vi graben; Natürlich ohne sich Gedanken über den dabei entstehenden Kollateralschaden zu machen. Als der querschnittsgelähmte Marine Jake Sully [Sam Worthington] seinen unglücklicherweise verstorbenen Bruder als Teil einer wichtigen, wissenschaftlichen Mission unter der Leitung von Dr. Augustine [Sigourney Weaver] ersetzt, eröffnen sich jedoch neue Perspektive auf die angeblich primitiven Waldbewohner Pandoras. Mit Hilfe eines genetisch gezüchteten Na'vi Ersatzkörpers infiltriert Jake Sully den Stamm der Aliens und bemerkt schließlich, dass das Leben in der Natur eigentlich kein schlechtes ist.
Ich mag Cameron ja nicht. Terminator 2 und Aliens, seine wahrscheinlich populärsten Filme, werden nicht gerade selten überschätzt; Was jetzt natürlich nicht heißt, dass das nicht trotzdem noch gute Filme sind. Avatar ist jedoch ein neuer Tiefpunkt. Prinzipiell bietet der Film abseits seiner Effekthascherei nämlich nichts Sehenswertes. Die Story ist ein seelenloses Repitieren hollywoodianischer Formelhaftigkeit ohne Innovation, Originalität und Spannung. Von Anfang an verläuft die Geschichte genau so, wie man es sich nach den ersten paar Minuten denken kann - was bei einer Laufzeit von über 160 Minuten eigentlich ein schlechter Witz ist. Figuren, einzelne Plotabschnitte und auch die ach-so gelobten Technikdesigns sind allesamt aus den tiefsten Ecken der Mottenkiste emporgeholt. Während der Sichtung werden Assoziationen zu FernGully, Pocahontas, Dances with Wolves und halbwegs aktuellen Videospielen wach, wobei das schon keine einfachen Assoziationen mehr sind, sondern handfeste Parallelen.
Darüber ließe sich ja hinwegsehen, wenn Cameron in Avatar sein gewohntes Actionfeuerwerk abliefern würde. Dem ist jedoch nicht der Fall. Es gibt zwar viel Kriegsmaschinerie zu sehen, doch handfeste Konflikte erlaubt sich der Film erschreckend selten, Gewalt nur abseits der Kamera - die Kleinen sollen ja auch mit ins Kino dürfen. Anstattdessen gibt es viel geheuchelte Naturliebe, pseudo-ethnologische Forschungsarbeit und eine aus der Luft gegriffene, interrassische Romanze á la Disney. Hinzu kommt, dass fast alles aus dem Computer zu kommen scheint und - obwohl es szenenweise wirklich verdammt gut gemacht ist - mir persönlich und vorallem auf Dauer zu künstlich und steril ausschaut. So detailliert und fantasievoll Camerons Dschungellandschaft auch sein will, ist mir das doch alles zu klinisch. Merkwürdigerweise hab' ich während der Sichtung dauernd den Drang verspürt, den neuesten Final Fantasy Teil in die Playstation zu werfen - da bekommt man dieselbe Optik und darf sogar noch interagieren.
Das Schlimmste an Avatar ist aber, dass der Film mit viel Kitsch, Pseudo-Moral, Schwarz-Weiß Malerei und esoterischem Gehabe aufwartet. Außerdem gibt's noch 'ne angeblich brisante Meta-Message, die provozieren soll: Immerhin befindet sich das Produktionsland seit fast einem Jahrzehnt im Krieg mit Afghanistan und bei dem Konflikt geht's ja auch primär um Ressourcen - könnte man zumindest meinen. Die alles andere als tiefgehende Botschaft geht bei den ganzen Effekten jedoch sowieso verloren, die politische Brisanz ist nichts weiter als bloße Farce. Aufgrund der inhaltlichen Naivität spielt das aber von vornerein schon keine große Rolle. Avatar ist also nicht das erwartete Sci-Fi Highlight, sondern im Prinzip nur ein weiterer Abenteuerfilm für die kleineren, bzw. jüngeren Kinogänger, die noch zu wenig Filme (bewusst) gesehen haben, um sich über die extreme Verbrauchtheit des Plots aufzuregen. Und als pures Erlebnisskino funktioniert Avatar dann auch ganz gut. Gibt mit Sicherheit kein Kind, was nicht mit großen Augen aus dem Kino kommt. Mir persönlich kommt aber schon die Kotze hoch, wenn ich nur an das immense Budget denke, welches für den Mist draufgegangen ist. Anstattdessen das nächste Mal 'ne Zeitmaschine bauen, in die Vergangenheit reisen und Indianerstämme vor der Ausrottung bewahren. Oder Zoe Saldana an der Magersucht hindern.
Dieser Eintrag wurde am 20.05.2010 um 19:33:00 erstellt und befindet sich in Film, Action, Drama, Romance, Science-Fiction, War.
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