AT: Bilanz eines Lebens; I Live in Fear;
Produktionsland: Japan.
Genres: Drama.
Regie: Akira Kurosawa


Der in die Jahre gekommene Kiichi Nakajima [Toshirô Mifune] will mit der gesamten Familie nach Brasilien auswandern, weil er die Bedrohung durch nukleare Atombomben fürchtet. Japan sei nicht mehr sicher, so meint er, doch die restlichen Familienmitglieder sehen das anders: Niemand von ihnen will das Heimatland wirklich verlassen. Mit aller Kraft stellen sie sich gegen die Emigration, u.A. mit Hilfe des Versuches Kiichi entmündigen zu lassen. Der freiwillige Streitschlichter Harada [Takashi Shimura] wohnt dem Prozess bei und entfacht dabei eine Diskussion, ob Kiichis panische Angst nicht doch berechtigt sei.

Akira Kurosawas ausführliche und tiefsinnige Auseinandersetzung mit der Angst vor der totalen Zerstörung, in dessem Rahmen Protagonist Kiichi Nakajima feststellt, dass es auf der Welt keinen Platz mehr gibt, wo man vor der plötzlichen Vernichtung noch sicher sei. Seine Ohnmacht gegenüber den nicht zu kontrollierbaren Mächten verursacht bei ihm panische Angst; Für Nakajima ist es völlig unverständlich, wie man im Bewusstsein einer solchen Bedrohung noch in aller Ruhe den Alltag bewältigen kann - so wie es die restlichen Japaner tun. So gesehen ist Bilanz eines Lebens also auch Traumabewältigung für die schweigende und von der Kraft der Atombomben völlig übermannten Bevölkerung. Eine bemerkenswerte Leistung von Kurosawa: Nur zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges einen derart wichtigen und im Puls der Zeit schlagenden Film abzudrehen. Vorallem auch da sich inzwischen - und das wird sich wahrscheinlich niemals ändern - die gesamte Menschheit mit dieser Angst konfrontiert sieht, auch wenn es größtenteils wohl verdrängt wird. So ist der Film nicht nur ein exzellentes Drama über Familie, Angst und die stete Bedrohung im Nacken, sondern sein Protagonist Nakajima die Personifzierung für unsere persönliche, nicht gelebte Angst im Angesicht einer Welt, die sekündlich dem Untergang geweiht zu sein scheint. Andererseits ist Bilanz eines Lebens auch eine Geschichte über einen Mann, der in seiner Position als wahrscheinlich tyrannisches Familienoberhaupt mehr geduldet, als gewünscht war und nun, am Ende seiner Tage, die Rechnung dafür tragen muss. Kurosawa fasst die philosophische Diskussion dabei in vorzügliche Bilder, während die Darsteller, allen voran Toshirô Mifune und Takashi Shimura, die Problematik hervorragend in Tat und Wortklang umsetzen. Ein wichtiger, fast zeitloser Film, dessen einziges Defizit eine gewisse Langatmigkeit ist.



Dieser Eintrag wurde am 02.06.2010 um 13:55:00 erstellt und befindet sich in Film, Drama.
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