AT: Time You Change
Produktionsland: Deutschland.
Genres: Drama.
Regie: Uli Edel


Ernstgemeintes Biopic über den deutschen Gangsterraper Bushido aka Anis Ferchichi. Anis wächst in Berlin-Tempelhof (im Film natürlich Kreuzberg - macht sich besser) auf, hat mit seinem gewalttätigen Vater zu tun und muss sich gegen die Vorurteile deutscher Bürger wehren. Nach einer kurzen Karriere als Drogendealer kristallisiert sich für Anis sein späteres Lebensziel heraus: Er will Rapper werden! Doch da gilt es mit Widerständen zu kämpfen...

Wäre eine ernsthafte und ehrliche Bushido Biographie noch durchaus interessant gewesen, begnügt sich Zeiten Ändern Dich mit der proletenhaften Selbstinszenierung seines Rapstars. Die kritischen und zwiespältigen Momenten in Bushidos Leben werden ganz einfach mal glattgebügelt oder gar völlig entfernt. Die Erklärung für Aggression und Provokation ist schnell gefunden - nicht nur für Bushido, sondern auch für dessen gewalttätigen Vater: Wir sind nur assozial, weil wir "fremd in einem fremden Land waren". So macht es sich Zeiten Ändern Dich ziemlich einfach und stellt seine Hauptfigur einfach mal als das Opfer der unaufgeklärten, doppelmoralischen und ach-so fremdenfeindlichen Deutschen dar. In den seltenen Momenten, in denen der Film so etwas wie ernstgemeinte Reflektion versucht, macht das Drehbuch schon nach wenigen Sekunden einen Rückzieher und verdrängt jegliche Reibung - Bushido darf ja auf keinen Fall negativ rüberkommen.

Falls das nicht eh schon klar war, der gute Junge spielt sich übrigens selbst. Nur die Kinderzimmer-Geschichten werden von einem jüngeren Part übernommen: Elyas M’Barek. Im höchst peinlichen Finale findet die von Problemen geprägte Geschichte dann auch noch zu einem erzwungenen und völlig unglaubwürdigen Happy End mit Kitschfaktor. Da winkt dann sogar Bushidos geschlagene Ex mit ihrem neuen Studenten-Freund aus dem Publikum und alle verstehen, Bushido ist verziehen. Verziehen für all' seine Untaten, die der Film sowieso auslässt. Und letztendlich wird klar, dass Zeiten Ändern Dich nur eine PR-Aktion ist, ein Plädoyer für Bushidos Unschuld, ein erbärmliches Betteln nach Verständniss und zudem das Ergebniss gegenseitiger Selbstbefriedigung der drei großen Namen hinter dem Film: Uli Edel, Bernd Eichinger und Bushido halt. Was sich Backstage da abgespielt hat, will ich garnicht wissen. Schade um Hannelore Elsner, die in dem Film die Frauenrolle um ganze hundert Jahre zurückkatapultiert. Schade auch um Moritz Bleibtreu, Karel Gott, Martin Semmelrogge und Uwe Ochsenknecht, aber wahrscheinlich hat die Kohle gestimmt.

Andererseits kann man sich Zeiten Ändern Dich ruhig angucken. Das Ganze ist so megatrashig und lächerlich, dass es minütlich zu kleinen Lach- und Freudenattacken führen könnte. Außerdem gibt's nette Berlin-Kreuzberg Atmosphäre. Natürlich ist der Film trotzdem ein Stück Dreck, aber wenn man will, kann man seinen Spaß mithaben.

Dieser Eintrag wurde am 29.12.2010 um 11:12:00 erstellt und befindet sich in Film, Drama.
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